Stadtrundgang durch Prag – Prager Altstadt

Die Pra­ger Alt­stadt erstreckt sich am öst­li­chen Ufer der Mol­dau. Die Sta­ré Město, wie der Stadt­be­zirk auf Tsche­chisch heißt, ist die älte­ste der vier Städ­te, aus denen Prag ent­stan­den ist. Hier befin­den sich auch vie­le der wich­tig­sten Sehens­wür­di­gen der Stadt sowie vie­le Restau­rants und Geschäfte.

Ich star­te mei­nen Rund­gang mit einem Gang durch die Kar­l­o­va, die Karls­gas­se, die zum histo­ri­schen Krö­nungs­weg der böh­mi­schen Köni­ge gehört, der auch über die Karls­brücke führt.

Auf mei­nem Weg wer­fe ich einen Blick in einen der Innen­hö­fe der Kle­men­ti­nums. Auch wenn die berühm­te Biblio­thek des Baus an die­sem Tag nicht geöff­net ist, so bekom­me ich bei mei­nem Gang durch die ver­schie­de­nen Innen­hö­fe doch einen Ein­druck von der Grö­ße des Gebäudekomplexes.

Als ich das Kle­men­ti­num ver­las­se, ste­he ich gegen­über dem Neu­en Rat­haus. Das Gebäu­de ist seit 1945 der Sitz des Magi­strats und des Ober­bür­ger­mei­sters. Das Gebäu­de wur­de 1908 bis 1911 im Jugend­stil errich­tet und soll­te eigent­lich als Finanz­amt der Stadt die­nen. Nach einem Brand im Alt­städ­ter Rat­haus sie­del­te die Ver­wal­tung jedoch hier­her um und das alte Rat­haus wird seit­her nur noch zu Reprä­sen­ta­ti­ons­zwecken genutzt.

Schließ­lich errei­che ich den Malé námě­stí, den Klei­nen Ring, einen Platz am Pra­ger Königsweg.

In der Mit­te des Plat­zes steht ein Renaissance-​Brunnen mit einem schmie­de­ei­ser­nen Git­ter, das wahr­schein­lich bereits aus dem Jahr 1560 stammt. Die Git­ter­spit­zen sind mit gol­de­nen Engeln ver­ziert und in der Mit­te befin­det sich eine Bir­ne, auf der ein gol­de­ner böh­mi­scher Löwe thront.

Über die Arka­den am Ran­de des Plat­ze gelan­ge ich wie­der zurück zur Karls­gas­se, die direkt zum Alt­städ­ter Rat­haus führt.

Am Ende der Gas­se befin­det sich das Haus zur Minu­te mit sei­nen fan­ta­sti­schen Sgraffito-​Verzierungen. Der spät­go­ti­sche Bau wur­de in der ersten Hälf­te des 15. Jahr­hun­derts errich­tet und Mit­te des 16. Jahr­hun­derts noch­mals auf­ge­stockt. Die Ver­zie­run­gen ent­stan­den schließ­lich um 1600, wur­den aber wäh­rend des Barocks wie­der ent­fernt und erst um 1920 wie­der her­ge­stellt. Die Bil­der zei­gen bibli­sche Epi­so­den sowie Sze­nen des Renaissance-​Lebens und mythi­sche Bil­der der grie­chi­schen Anti­ke. Der berühm­te Dich­ter Franz Kaf­ka wohn­te von 1889 bis 1896 mit sei­nen Eltern in dem Haus und alle sei­ne Schwe­stern wur­den hier geboren.

Hin­ter dem Haus liegt der Alt­städ­ter Ring, der wohl bedeu­tend­ste Platz in Prag. Der älte­ste Platz der Stadt ist umge­ben von Gebäu­den aus ver­schie­de­nen Stilepochen.

Eines der präch­tig­sten Gebäu­de am Alt­städ­ter Ring ist das Alt­städ­ter Rat­haus, das bis 1945 als Stadt­ver­wal­tung von Prag dien­te. Gebaut wur­de das Gebäu­de bereits 1338 und der knapp sieb­zig Meter hohe Turm wur­de 1364 fer­tig­ge­stellt, aber bis ins 19. Jahr­hun­dert mehr­mals umge­baut und erweitert.

Noch berühm­ter als das Gebäu­de ist aller­dings die Rat­haus­uhr. Die astro­no­mi­sche Uhr aus dem Jahr 1410 ist ein Mei­ster­werk goti­scher Wis­sen­schaft und Tech­nik. Die Uhr wur­de aber über die Jahr­hun­der­te eben­falls immer wie­der erwei­tert und umgebaut.

So ist die Exi­stenz der zwölf Apo­stel, die sich heu­te hin­ter den Türen ober­halb der Uhr bewe­gen, erst nach 1860 sicher beleg­bar. Der gol­de­ne Hahn kam sogar erst 1882 an sei­nen heu­ti­gen Platz.

Die ursprüng­li­che Uhr mit ihren astro­no­mi­schen Anzei­gen ist aber bereits seit über 600 Jah­ren unun­ter­bro­chen in Betrieb und beson­ders zu jeder vol­len Stun­den ver­sam­meln sich die Men­schen, um den zwölf Apo­steln bei ihrem Rund­weg zuzusehen.

Ein wei­te­res Wahr­zei­chen der Stadt ist die um 1380 erbau­te Teyn­kir­che. Die bei­den rund acht­zig Meter hohen Tür­me wur­den nicht im glei­chen Stil erbaut und auf dem Gie­bel zwi­schen den Tür­men befin­det sich ein ver­gol­de­tes Mari­en­bild. Das rest­li­che Haupt­por­tal der Kir­che ist vom Platz aller­dings nicht mehr zu sehen, denn kurz nach Fer­tig­stel­lung der Kir­che wur­de davor die Teyn­schu­le erbaut, deren Gebäu­de ursprüng­lich eben­falls gotisch war und im 16. Jahr­hun­dert im vene­zia­ni­schen Renais­sance­stil umge­baut wurde.

 

Vor dem Ensem­ble steht die Mari­en­säu­le, die erst 2020 an ihren alten Platz zurück­ge­kehrt ist. Die vier­zehn Meter hohe Säu­le wur­de ursprüng­lich auf Anord­nung von Kai­ser Fer­di­nand III. nach dem Ende des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges errich­tet, zum Dank dafür, dass die Alt­stadt von Prag vor den schwe­di­schen Trup­pen ver­schont blieb. Weni­ge Tage nach dem Sturz der Mon­ar­chie im Jahr 1918 wur­de sie von den Demon­stran­ten nie­der­ge­ris­sen und erst 2020 stimm­te der Magi­strat der Stadt für ihre Wiedererrichtung.

Ich lau­fe nun die Peri­phe­rie des gro­ßen Plat­zes ab, um mir die vie­len ver­schie­de­nen Gebäu­de genau­er anse­hen zu können.

Ein wei­te­res, beson­ders präch­ti­ges Gebäu­de ist das Palais Goltz-​Kinsky. Zwi­schen 1755 und 1765 erbaut, wur­de das Gebäu­de im 19. Jahr­hun­dert als deutsch­spra­chi­ges Gym­na­si­um genutzt, das auch Franz Kaf­ka besuch­te. Heu­te gehört das Haus zur Pra­ger Nationalgalerie.

Egal wo man am Alt­städ­ter Ring hin­schaut, über­all gibt es etwas Neu­es zu ent­decken. Die Häu­ser in den ver­schie­de­nen Bau­sti­len sind größ­ten­teils wun­der­schön reno­viert und erstrah­len heu­te wie­der in ihrem ursprüng­li­chen Glanz.

An einer Ecke ist der Platz aller­dings etwas offe­ner gestal­tet und dahin­ter erhebt sich die St. Nico­laus Kir­che. Die zwi­schen 1732 und 1735 erbau­te Kir­che geht auf Plä­ne des Bau­mei­sters Kiliam Ignaz Dient­zen­ho­fer zurück, der aus einer der berühm­te­sten Bau­mei­ster­fa­mi­li­en des Barocks stamm­te. Einer sei­ner Onkel war zum Bei­spiel maß­geb­lich am Ent­ste­hen der barocken Alt­stadt von Ful­da beteiligt.

Nach­dem ich den Alt­städ­ter Ring ver­las­sen habe, fol­ge ich nun dem Stück der Karls­gas­se, das ich zuvor noch nicht gese­hen habe.

Dabei sto­ße ich auf das Apple Muse­um, das aber geschlos­sen hat.

Ich bie­ge nun von der Karls­gas­se ab und fol­ge der Huso­va in Rich­tung Süden.

Schon nach weni­gen Metern errei­che ich die monu­men­ta­le Kir­che des hei­li­gen Jil­lich, die im 14. Jahr­hun­dert erbaut wur­de. Im Jahr 1371 wur­de sie in Anwe­sen­heit von Kai­ser Karl IV. geweiht und 1625 dem Domi­ni­ka­ner­or­den über­ge­ben, der im dane­ben­lie­gen­den Gebäu­de bis heu­te ein Klo­ster betreibt.

Viel kann ich von der drei­schif­fi­gen Kir­che lei­der nicht sehen, denn es beginnt gera­de ein Got­tes­dienst, sodass der Zutritt ein­ge­schränkt ist.

So fol­ge ich der Huso­va recht schnell wei­ter bis ich zu einer Quer­stra­ße gelan­ge, die mich wie­der zurück zum Mol­dau­ufer bringt.

Ich kom­me direkt am Sme­ta­na Hotel her­aus, das zu den besten Hotels der Stadt im 5‑Sterne Seg­ment gehört.

Gleich gegen­über hat man den schön­sten Blick über die Mol­dau und hin­über zur Karls­brücke mit der dahin­ter lie­gen­den Burg, nur lei­der nicht am Abend, denn dann liegt alles völ­lig im Gegen­licht. So neh­me ich mir gleich vor, hier noch ein­mal am Mor­gen her­zu­kom­men. Dann soll­te das Licht per­fekt sein.

Per­fekt ist das Licht hin­ge­gen um die schö­nen Gebäu­de an der Stra­ße im Bild fest­zu­hal­ten und die typi­sche weiß-​rote Stra­ßen­bahn, die noch immer durch die Stra­ßen von Prag rat­tert, auch wenn vie­le Züge inzwi­schen von moder­nen Nie­der­flur­bah­nen ersetzt wurden.

Auch dem wei­te­ren Rück­weg ent­decke ich noch das Pra­ger Bier­mu­se­um und davor zwei ras­si­ge Sport­wa­gen, deren Besit­zer es wohl beson­ders eilig hat­te und des­halb auf die Park­platz­su­che ver­zich­te­ten. Nun ja, bevor sie wie­der weg­fah­ren kön­nen, wird nun wohl erst ein­mal ein Straf­zet­tel auf sie warten.

Ein gänz­lich ande­res Gefährt ent­decke ich am Gelän­der zum Fluss. Ich neh­me an, dass es sich hier­bei um ein Kunst­werk han­delt, konn­te aber nicht wei­ter dar­über in Erfah­rung bringen.

Mein Rund­gang endet schließ­lich an der Sal­va­tor­kir­che, die sich gegen­über der Karls­brücke am Kreuz­her­ren­platz befin­det. Das Got­tes­haus gehört zum Jesui­ten­kol­legs Kle­men­ti­num, das bereits 1556 gegrün­det wur­de. Der Bau wur­de 1578 begon­nen und erst 1653 fertiggestellt.

Damit been­de ich mei­nen Rund­gang durch Prag. Sicher­lich habe ich nur einen Teil der Stadt anschau­en kön­nen und doch einen guten ersten Ein­druck gewon­nen. In einem Tag ist Prag aber ein­fach nicht als Gan­zes zu besich­ti­gen, sodass mir wohl nur bleibt, irgend­wann noch ein­mal zurückzukehren.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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