Schlösser und Herrenhäuser zwischen Rostock und Teterow, Mecklenburg-Vorpommern

Auf mei­ner neue­sten Tour zu Schlös­sern und Her­ren­häu­sern war ich zwi­schen Rostock und Tete­row unter­wegs. Ein­mal mehr habe ich vie­le inter­es­san­te Gebäu­de ent­deckt, die alle eine Geschich­te zu erzäh­len haben.

Herrenhaus Samow

Mein Aus­flug star­tet am Her­ren­haus Samow. Das Gut war seit 1463 im Besitz der Fami­lie von Molt­ke, die es über drei­hun­dert Jah­re führ­te. Um 1658 begann dann der Bau eines ursprüng­lich barocken Her­ren­hau­ses. Ab 1786 wech­sel­ten die Besit­zer des Anwe­sens jedoch häu­fi­ger und um 1810 wur­de das Guts­haus klas­si­zi­stisch über­formt, so wie es auch heu­te noch zu sehen ist. Von 1901 bis 1945 war die Fami­lie von Polier letz­ter Eigen­tü­mer, bevor das Haus im Zuge der Boden­re­form ent­eig­net wurde.

Im Jahr 1992 hat­te jedoch Marc Eti­en­ne von Polier, der Enkel des letz­ten Besit­zers, die Mög­lich­keit, das Anwe­sen zurück­zu­kau­fen. Das Her­ren­haus und die noch vor­han­de­nen Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Guts­an­la­ge wur­den in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren restau­riert. Auch der Land­schafts­park ist heu­te wie­der gepflegt. Inzwi­schen ist das Haus für Urlau­ber und Hoch­zeits­ge­sell­schaf­ten geöffnet.

Gutshaus Alt Vorwerk

Auf eine lan­ge Geschich­te kann auch Alt-​Vorwerk hin­ab­schau­en. Bereits im 13. Jahr­hun­dert war der Rit­ter Mar­tin von Brütz­kow Eigen­tü­mer des Gutes. In den fol­gen­den Jahr­hun­der­ten gibt es häu­fig wech­seln­de Besitz­ver­hält­nis­se bis das Gut 1826 an Carl von Oert­zen ver­kauft wur­de. Nach des­sen Tod fiel das Anwe­sen durch Los­ent­scheid an sei­nen jüng­sten Sohn Hugo von Oert­zen. Er ist es, der zwi­schen 1859 und 1861 das heu­ti­ge Her­ren­haus durch Bau­mei­ster Hein­rich Gustav Thor­mann im eng­li­schen Tudor­stil errich­ten lässt.

Noch heu­te pran­gen das Wap­pen der Fami­lie und dar­un­ter die Jah­res­zahl 1860 an der Front des Hauses.

Im Jahr 1918 gab es einen wei­te­ren Eigen­tü­mer­wech­sel, aber­mals durch Los­ent­scheid. Die­ses Mal hat­te der jüng­ste Sohn von Hugo von Oert­zen, Otto-​Jasper von Oert­zen, Glück und konn­te fort­an Gut Alt-​Vorwerk sein Eigen nen­nen. Otto-​Jasper von Oert­zen starb 1945 nach dem Ein­marsch der sowje­ti­schen Trup­pen auf dem Gut und wur­de im Park bei­gesetzt. Sein adop­tier­ter Nef­fe Arthur, der sein Erbe sein soll­te, konn­te den Nach­lass nicht mehr über­neh­men, da die Fami­lie inzwi­schen durch die Boden­re­form ent­eig­net wurde.

Zu DDR-​Zeiten waren im Guts­haus Woh­nun­gen unter­ge­bracht und der Park wur­de in Klein­gär­ten für die Bewoh­ner auf­ge­teilt. Nach der Wen­de wur­de das Anwe­sen schließ­lich an einen Inve­stor ver­kauft, der jedoch Insol­venz anmel­den muss­te. So wur­de Gut Alt-​Vorwerk 2006 zwangs­ver­stei­gert. Die neu­en Eigen­tü­mer began­nen sofort mit der Sanie­rung von Haus und Park. Heu­te sind im Guts­haus sechs Feri­en­woh­nun­gen zu finden.

Schloss Poggelow

Ich fah­re nun wei­ter zum Gut Pog­ge­low, das sich abseits der Haupt­stra­ßen zwi­schen Tete­row und Gno­i­en befin­det und über vie­le Jahr­hun­der­te im Besitz der Fami­lie von Bas­se­witz war. Im Jahr 1314 wur­de das Gut zum ersten Mal erwähnt, das  heu­ti­ge Schloss aber erst 1848 für Alex­an­der Graf von Bas­se­witz erbaut, der letz­ter Eigen­tü­mer der Fami­lie war.

Er ver­kauf­te Pog­ge­low 1891 an die Tier­arzt­gat­tin Cla­ra Hen­ri­et­te Wil­hel­mi­ne Schrö­der und bereits 1933 wird das Gut schließ­lich auf­ge­sie­delt. Das Guts­haus selbst fällt an die Gemein­de. Nach dem Krieg zogen zuerst Flücht­lin­ge ein, spä­ter dann wur­de das Haus als Kin­der­gar­ten, Krip­pe, Gast­stät­te, Sitz der Gemein­de und des Bür­ger­mei­sters genutzt, auch die LPG hat hier Räu­me sowie die Zivil­ver­tei­di­gung. Im Jahr 1994 muss­te die Gemein­de das Anwe­sen ver­kau­fen. Die neu­en Eigen­tü­mer sanier­ten das Her­ren­haus auf­wän­dig und rich­te­ten hier Feri­en­woh­nun­gen ein, die seit 1997 ver­mie­tet werden.

Schloss Prebberede

Eben­falls im Besitz der Fami­lie von Bas­se­witz befand sich Gut Preb­be­re­de. Durch­gän­gig von 1395 bis zur Ent­eig­nung im Jahr 1945 waren die Gra­fen von Bas­se­witz hier sess­haft und errich­te­ten auch das präch­ti­ge Her­ren­haus. Karl Fried­rich Graf von Bas­se­witz war es, der den Auf­trag dazu gab. Zwi­schen 1772 und 1778 wur­de so ein vier­zig Meter lan­ges und 21 Meter brei­tes Her­ren­haus mit vier Eta­gen geschaf­fen, denn zwei Stock­wer­ke befin­den sich unter dem Mansardendach.

Rund um das Her­ren­haus sind noch wei­te­re Gebäu­de zu fin­den, wie der ehe­ma­li­ge Mar­stall, der heu­te zu Woh­nun­gen umge­baut ist sowie Reste der alten Torzufahrt.


Nach­dem das Haus vor der Wen­de zu Wohn­zwecken genutzt wur­de, ist es seit den 1990er Jah­ren wie­der in pri­va­ter Hand. Heu­te gibt es im Schloss vier Feri­en­woh­nun­gen sowie Ver­an­stal­tungs­räu­me für Kon­zer­te und Lesungen.

Gutshaus Rensow

Etwas weni­ger impo­sant und doch nicht weni­ger inter­es­sant ist das Guts­haus Ren­sow. Sei­nen Ursprung hat der Besitz in einer alten Befe­sti­gungs­an­la­ge, die wahr­schein­lich schon um das Jahr 800 ent­stand. Bis 1970 war das Haus noch teil­wei­se von Wall­grä­ben umge­ben, die dann lei­der zuge­schüt­tet wur­den. Das heu­ti­ge Haus stammt aus dem Jahr 1690 und wur­de für Fried­rich von Lowtzow auf einem älte­ren Fun­da­ment errich­tet. Von 1609 bis 1945 war das Gut durch­ge­hend im Besitz der Fami­lie von Lowtzow, bevor die­se ent­eig­net und ver­trie­ben wur­de. Nach dem Krieg nutz­te eine LPG das Haus und nach der Wen­de stand es zunächst leer und ver­fiel. Erst Anfang der 2000er Jahr fan­den sich neue Eigen­tü­mer, die das Anwe­sen reno­vier­ten und heu­te als Feri­en­woh­nung öffnen.

Gutshaus Dalwitz

Das näch­ste Gut, das ich besu­che, war eben­falls im Besitz der Fami­lie von Bas­se­witz. Von 1349 bis 1945 war sie auf Gut Dal­witz ansäs­sig und um 1726 wur­de das heu­ti­ge Guts­haus errich­tet. Sein jet­zi­ges Aus­se­hen erhielt es aber erst 1855, als es von Hein­rich Graf von Bas­se­witz im Tudor­stil umge­baut wurde.

Im Jahr 1945 wur­de Hein­rich Graf von Bas­se­witz ent­eig­net und floh mit sei­ner Fami­lie zunächst nach Schleswig-​Holstein. Gut Dal­witz wur­de 1952 ver­staat­licht und als Land­wirt­schafts­be­trieb wei­ter­be­trie­ben. Im Jahr 1992 kehr­ten Dr. Hein­rich Graf von Bas­se­witz und sei­ne Frau Lucy Grä­fin von Bas­se­witz jedoch aus Süd­ame­ri­ka nach Deutsch­land zurück, um das Gut nach 46 Jah­ren Unter­bre­chung wie­der zu über­neh­men. So gibt es heu­te wie­der Land­wirt­schaft, aber auch Feri­en­woh­nun­gen und Ver­an­stal­tun­gen auf dem Gut. Und es lässt sich sehr schön erle­ben, wie so eine Guts­an­la­ge einst aus­ge­se­hen hat.

Schloss Diekhof

Schon die impo­san­te Zufahrt lässt es erah­nen, Schloss Diek­hof war einst eine präch­ti­ge Anla­ge. Zwi­schen 1732 und 1739 wur­de sie für Lud­wig Achaz von Hahn nach fran­zö­si­schem Vor­bild erbaut. Im Jahr 1845 ging das Gut eben­falls in den Besitz der Fami­lie von Bas­se­witz über, die 1945 ent­eig­net wurde.

Das präch­ti­ge Schloss kann heu­te aber nur noch auf histo­ri­schen Bil­dern ange­se­hen wer­den, denn kurz vor Kriegs­en­de brann­te es bis auf die Grund­mau­ern nie­der. Erhal­ten blie­ben nur die Sei­ten­häu­ser und die Schlosskapelle.

Der öst­li­che Sei­ten­flü­gel wur­de spä­ter auch abge­ris­sen und der west­li­che zunächst zu Wohn­zwecken genutzt. Spä­ter ver­fiel das Ensem­ble jedoch immer mehr und war 1999 in einem rui­nö­sen Zustand, bis es ein Köl­ner Kauf­mann erwarb und die Sanie­rung begann. Heu­te sind zumin­dest der Sei­ten­flü­gel, die Kapel­le und die Gar­ten­an­la­ge wie­der in einem gepfleg­ten Zustand zu bewundern.

Herrenhaus Rossewitz

Nicht so viel Glück hat­te bis­her das Her­ren­haus Ros­se­witz, das ein­sam und ver­las­sen mit­ten zwi­schen abge­le­ge­nen Fel­dern liegt. Selbst die Anfahrt ist schon ein klei­nes Aben­teu­er, zumin­dest die letz­ten Meter, die über einen unbe­fe­stig­ten Feld­weg in schlech­tem Zustand füh­ren. Zwi­schen 1655 und 1680 ent­stand die­ses impo­san­te Her­ren­haus, das als erster Barock­bau in ganz Meck­len­burg zählt.

Mehr­mals stand das impo­san­te Gebäu­de, das einst auch der her­zog­li­chen Kam­mer Schwe­rin gehör­te und von Fried­rich Franz I. als Jagd­schloss genutzt wur­de, vor dem Abriss, denn beson­ders nach dem Krieg wur­de das Her­ren­haus kaum noch genutzt. Plün­de­run­gen setz­ten ein und ein Teil des Daches brach zusam­men. Im Jahr 1993 begann die Stif­tung Denk­mal­schutz jedoch mit Siche­rungs­ar­bei­ten und immer wie­der fan­den klei­ne­re Repa­ra­tu­ren statt. Bis­her ist jedoch kein gro­ßer Fort­schritt bei der Sanie­rung des Hau­ses zu beobachten.

Gutshaus Kobrow

Zumin­dest von außen war­tet auch auf das Guts­haus Kobrow noch die Sanie­rung, doch im Inne­ren soll die Sanie­rung inzwi­schen gut vor­an­kom­men, denn immer­hin wer­den der­zeit schon vier Feri­en­woh­nun­gen zur Ver­mie­tung ange­bo­ten. Kobrow hat­te vie­le Besit­zer, bis es 1878 durch Ernst August Wil­helm von Bülow über­nom­men wur­de. Das Guts­haus stand damals schon, wur­de es wahr­schein­lich bereits 1860 errich­tet. Über dem Ein­gang ist aller­dings noch heu­te das Wap­pen der Fami­lie von Bülow zu sehen. Nach der Ent­eig­nung wur­de auch die­ses Gebäu­de zu Wohn­zwecken genutzt und stand nach der Wen­de eini­ge Jah­re leer, bevor es vom heu­ti­gen Eigen­tü­mer gekauft wur­de, der sich die voll­stän­di­ge Sanie­rung zum Ziel gesetzt hat.

Gutshaus Wendfeld

Noch sehr jung ist das Gut Wend­feld, an dem ich auf mei­nem Rück­weg nach Rostock noch kurz anhal­te. Erst 1814 wird die Guts­an­la­ge ange­legt und ein Her­ren­haus erbaut. Viel ist nicht über den Bau bekannt, des­sen Besit­zer oft­mals wech­sel­ten und der heu­te meh­re­re Woh­nun­gen beherbergt.

Zehn wei­te­re Guts- und Her­ren­häu­ser in Mecklenburg-​Vorpommern konn­te ich auf die­sem Aus­flug ent­decken und im Bild fest­hal­ten. Doch wie immer, es blei­ben noch vie­le wei­te­re auf mei­ner Liste und so wird es auch in Zukunft noch Aus­flü­ge in die meck­len­bur­gi­sche Geschich­te geben.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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