Schlösser und Herrenhäuser rund um Genthin, Sachsen-Anhalt

Schon fast an der Landesgrenze zu Brandenburg begebe ich mich auf eine letzte Rundfahrt zu Schlössern und Herrenhäusern. Auch hier gibt es einige interessante Exemplare, die in den letzten Jahren oft aufwendig saniert wurden und von denen es einige sogar in einen der berühmten Alexander Duncker Bildbände geschafft haben.

Schloss Brandenstein

Brandenstein wurde als Rittergut gegründet, allerdings erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Besitzer und Gründer war die Familie von Armin, für die auch im Jahr 1900 das Herrenhaus erbaut wurde.

Bis zur Enteignung im Jahr 1945 blieb das Anwesen auch in den Händen der Familie von Armin. Anschließend wurde das Haus zu einem Kinderheim umgebaut und wurde von 1945 bis 1992 als solches betrieben. Nach der Wende erwarb Bernd von Arnim das Rittergut zurück und seitdem wird das Anwesen wieder von der Familie von Armin genutzt.

Auf dem Grundstück ist auch eine kleine Kapelle zu finden, die ursprünglich 1911 erbaut und inzwischen ebenfalls renoviert wurde.

Schloss Dretzel

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich das Schloss Dretzel, das wieder auf eine lange Geschichte zurückschauen kann. Schon im 14. Jahrhundert gab es hier eine mittelalterliche Burganlage der Familie von Kracht. In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Anwesen mehrmals den Besitzer, bis es 1790 in die Hände der Familie von Stilcke gelangte. Hermann Ludwig von Stilcke ließ zwischen 1807 und 1810 das klassizistische Herrenhaus erbauen, das einen abgebrannten Vorgängerbau ersetzte. Den heutigen Namen bekam das Schloss von der Tochter Adelgunde von Stilcke-Dretzel, die auch Erbin des Anwesens war.

Viel hat sich das Haus nicht verändert, das 1945 wie so viele andere enteignet und als Kindergarten, Schule, Jugendclub und Wohnheim genutzt wurde. Lediglich das Dach sieht heute anders aus und der Vorbau mit den Säulen fehlt, wie man auf dem Bild im Alexander Duncker Bildband schön sehen kann. Heute befinden sich im Haus weiterhin Wohnung sowie ein Trauzimmer der Gemeinde.

Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preussischen Monarchie / Duncker, Alexander (Public Domain)

Schloss Parchen

Für mich geht es nach einem kurzen Fotostopp weiter zum Schloss Parchen. Wie lange genau dieses Gut schon existiert, ist unbekannt, aber es wurde schon mindestens 1276 urkundlich erwähnt. Nach mehreren Eigentümerwechseln kaufte Hans von Byern das Gut und damit begann eine über vierhundertjährige Geschichte der Familie auf dem Anwesen. Den Grundstein für das heutige Schloss legte Rudolph Johannes Heinrich von Byern im Jahr 1780, allerdings gab es damals nur ein eingeschossiges Gebäude, das erst Mitte des 19. Jahrhunderts um- und ausgebaut wurde.

Wie das Haus damals ausgesehen hat, zeigt sich auf dem Bild aus dem Alexander Duncker Bildband. Heute sieht das Haus hingegen etwas schlichter aus, denn sowohl 1880 als auch 1920 fanden nochmals Umbauarbeiten statt. Nachdem das Haus und vor allem der Park in der DDR sehr vernachlässigt wurden, ist es seit 2006 wieder in privater Hand und wurde umfassend renoviert.

Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preussischen Monarchie / Duncker, Alexander (Public Domain)

Schloss Karow

Der Familie von Byern gehörte einst auch das Rittergut Karow. Lange bleiben sie hier jedoch nicht Eigentümer und anschließend ging das Gut durch viel Hände bis im Jahr 1708 Marquard Ludwig von Printzen das Anwesen erwarb. Er ließ auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus ein barockes Herrenhaus errichten. Schließlich erbte seine Enkelin Elisabeth Sophie Karow den Besitz und sie war mit einem von Wartensleben verheiratet, wodurch diese Familie nur Eigentümer wurde.

Wie das Haus zu Zeiten der Familie von Wartensleben ausgesehen hat, ist auf einem Bild im Alexander Duncker Bildband festgehalten. Seitdem hat sich das Haus doch sehr verändert, denn nach der Enteignung der Familie von Wartensleben nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zahlreichen Umbauten vorgenommen und die Seitenflügel gar abgerissen.

Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preussischen Monarchie / Duncker, Alexander (Public Domain)

Erhalten geblieben sind allerdings einige Nebengebäude, die im 19. Jahrhundert bei einem Ausbau der Gutsanlage errichtet wurden.

Das Herrenhaus selbst erstrahlt zwar inzwischen wieder in altem Glanz, doch dahin war es ein weiter Weg. Zu DDR-Zeiten wurde das Haus zunächst als Schule und später als Jugendclub und Kindergarten genutzt. Dabei wurden sämtliche Verzierungen innen und außen entfernt, die erst während der Sanierung wieder installiert wurden.

Ebenfalls wieder hergerichtet wurde zumindest ein Teil der Parkanlage. Während ich das Haus besucht habe, fanden aber einige Umbauarbeiten statt, sodass der Garten direkt am Haus nicht sehr fotogen war.

Herrenhaus Zabakuck

Ein weiteres Gut in der Gegend gehörte lange Zeit der Familie von Byern, das Gut Zabakuck. Zwischen 1842 und 1845 ließ Kurt von Byern hier ein klassizistisches Herrenhaus erbauen, das die Familie bis zur Enteignung 1945 bewohnte. Anschließend wurde das Haus als Schule, Wohnung, Gaststätte und Kindergarten genutzt und dabei sehr stark umgebaut und überformt. Heute ist das Herrenhaus immerhin schön saniert und wird von der Gemeinde genutzt.

Dorfkirche Zabakuck

Ganz in der Nähe des Herrenhauses gibt es noch eine interessante Kirchenruine. Der Vorgänger der heutigen Dorfkirche Zabakuck brannte im Jahr 1793 ab und wurde 1801 durch einen Neubau ersetzt. Erst 1817 konnte die Kirche schließlich geweiht werden, da sich der Innenausbau lange hinzog. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche jedoch stark beschädigt und erst in den 1950er Jahren fanden erste Reparaturarbeiten statt, die den weiteren Verfall aber nicht aufhielten. Gottesdienste konnten hier nicht mehr stattfinden und 1973 stürzte sogar ein Teil des Kirchendachs ein. Erst 1992 wurden die Trümmer aus dem Kirchenschiff geräumt und inzwischen wird die Kirche als Freiluftgotteshaus genutzt. Dazu gibt es einen kleinen Raum für Gottesdienste im erhaltenen Turm.

Schloss Schlagenthin

Das letzte Schloss, das ich auf dieser Reise besuche, ist das Schloss Schlagenthin. Schon lange war das Gut in Familienbesitz, bevor es 1767 in den Besitz des Prinzen August Ferdinand von Preußen gelangte. Knapp achtzig Jahre später wurde Schlagenthin abermals verkauft, dieses Mal an den Graf Harry von Armin-Nassenheide. Der Graf baute das Schloss weitgehend um und gab ihm sein heutiges Aussehen. Nachdem das Haus zu DDR-Zeiten Verwaltungssitz einer LPG und später Kinderferienheim war, ist es inzwischen wieder in Privathand und wurde seitdem auch saniert.

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Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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