Schlösser und Herrenhäuser im Landkreis Barnim, Brandenburg – Teil 1

In jedem Brandenburger Landkreis gibt es viele Schlösser und Herrenhäuser zu entdecken, so auch im Landkreis Barnim, wo ich dieses Mal unterwegs gewesen bin. Gefunden habe ich wieder nicht nur interessante Häuser und Parks, sondern auch die Geschichten zu den herrschaftlichen Anwesen ausgegraben. Im ersten Teil meiner Reportage bin ich im Süden des Barnims unterwegs, in der Nähe der Stadtgrenze zu Berlin.

Schloss Börnicke

Schloss Börnicke ist ein Gutshaus jüngeren Datums. Der neoklassizistische Bau wurde erst zwischen 1909 und 1911 für den Berliner Bänker Paul von Mendelssohn-Bartholdy. Verantwortlicher Architekt war Bruno Paul, der als ein Wegbereiter der modernen Architektur in Deutschland gilt.

Nach der Fertigstellung lebte Mendelssohn-Bartholdy bis zu seinem Tod im Jahr 1935 auf dem Anwesen, das dann in den Besitz seiner zweiten Ehefrau überging. Anfang des Jahres 1945 zog die Schweitzer Botschaft in das Gebäude, um dem Bombenhagel in Berlin zu entgehen. Kurze Zeit später übernahm die Rote Armee das Gut und richtete zunächst ein Lazarett ein. Im Zuge der Bodenreform wurde Schloss Börnicke enteignet und die KPD übernahm das Anwesen, auf dem Wilhelm Piek gerne seine Zeit verbrachte.

Ab 1967 wurde Schloss Börnicke als Heim und Schule für behinderte Kinder genutzt. Diese Nutzung endete erst im Jahr 1992 mit Auszug der letzten Bewohner. Von diesem Zeitpunkt an stand das Schloss leer und wurde 2003 an die Schloss Börnicke gGmbH verkauft, die den Wiederaufbau plant. Heute finde hier einige Events statt, aber noch immer sieht das Gebäude etwas mitgenommen aus. Das Grundstück ist leider nicht näher zu erkunden.

Rund um das Gebäude sind noch Teil der alten Gutsanlage erhalten. Die Wirtschaftsgebäude und Ställe stammen wahrscheinlich aus den Jahr 1870/71. Ein Teil der Anlage ist saniert und wird unter anderem als Restaurant und Veranstaltungsort genutzt.

Ebenfalls erhalten ist das alte Gutshaus, das sich unmittelbar neben dem Schloss befindet. Das Haus wurde sehr schön restauriert und wird heute von der Gemeinde Börnicke genutzt.

Hinter dem Schloss und Gutshaus erstreckt sich ein weitläufiger Landschaftspark, der bereits im 19. Jahrhundert entstand. Während sich hier Wege durch die Natur schlängeln, befand sich rund um das Schloss ein streng geometrisch angelegter Garten. Sogar einen Tennisplatz und ein Bootshaus mit Steg gab es, beides ist aber nicht mehr erhalten.

Schloss Blumberg

Von Börnicke geht meine Fahrt weiter in das kleine Örtchen Blumberg bei Berlin. Dort, wo heute das funktionale Gebäude einer privaten Schule thront, befand sich einst ein wunderschönes Gutshaus, das Schloss Blumberg.

Von dem 1913 letztmalig umgebauten Herrenhaus sind nur noch Erinnerungen und Bilder wie im Buch von Alexander Duncker erhalten, denn es wurde 1945 durch die Rote Armee zerstört und schließlich abgerissen.

Erhalten geblieben ist aber der bereits 1840 angelegte Lenné-Park, der in den letzten Jahren wieder saniert wurde und so zum Flanieren einlädt. Graf Friedrich Ludwig von Arnim-Boitzenburg war es, der nach dem Kauf von Blumberg den berühmten Landschaftsarchitekten engagierte, um ihm hier eine Parkanlage zu gestalten.

Nach dem Krieg bis in die 1970er Jahre wurde der Park allerdings durch zerstörerische Eingriffe fast vernichtet. Es wurde Mauern gezogen, Baracken gebaut, ein Schießplatz und später noch ein Sportplatz eingerichtet. Ein Teil des alten Baumbestandes wurde auch durch Stürme vernichtet. Dazu ließ die fehlende Pflege den Park verwildern.

Erst nach der Wende wurde mit der Restaurierung der Parkanlage begonnen. Bauliche Verfehlungen wurde beseitigt und die Wege wieder angelegt. Auch die Brücken wurden neu gebaut und das gesamte Gelände vom Wildwuchs befreit. Inzwischen wird der Park wieder regelmäßig gepflegt.

Einige der Bäume im Park sind sogar noch älter als der heutige Park selbst und wurde bereits um 1775 gepflanzt. Besonders die staatlichen Eichen sind somit schon über 230 Jahre alt. Aus der Zeit von Lenné stammen noch viele der alten Kastanien, Buchen, Eichen, Ulmen, Lärchen, Ahornbäume, Linden und Platanen, die immerhin auch schon rund 170 Jahre alt sind.

Im Park zu finden ist ein Denkmal für Otto von Armin, der als Kriegsfreiwilliger 1813 am Ortseingang von Blumberg von französischen Truppen erschossen wurde.

Hinter dem Denkmal verläuft heute die stark befahrene Bundesstraße 158, die an die alte Chaussee von Berlin nach Stettin anknüpft. So ist besonders der Teil des Parks, in dem sich das Denkmal befindet, nicht ganz so ruhig und erholsam wie andere Gebiete.

Der Lenné-Park in Blumberg ist heute öffentlich und kostenfrei begehbar und somit jederzeit besuchbar.

Rittergut Hirschfelde

In der Nähe von Blumberg befindet sich auch das ehemalige Rittergut Hirschfelde. Ich erreiche es, indem ich zunächst der B158 folge und dann auf eine kleine Landstraße abbiege. Hirschfelde wurde bereits 1268 erstmalig erwähnt und gehörte zunächst zum Kloster Zinna, bevor es verschiedene Besitzer hatte, unter anderem die Ritter vom Krummensee. Im Jahr 1753 gelang das Gut in die Hände der Familie von Bismarck. Seine Blütezeit aber hat es dem Berliner Unternehmer Eduard Arnhold zu verdanken, der Hirschfelde 1904 kaufte und in das von ihm modernisierte Gutshaus einzog. Arnhold ließ hier Strom verlegen und eine Zentralheizung einbauen.

Das Haus selbst wurde von seinen Besitzern über die Jahre immer wieder umgebaut und modernisiert, sah aber größtenteils schon Mitte des 19. Jahrhunderts so aus wie heute, wie ein Bild im Buch von Alexander Duncker verrät.

Eduard Arnhold verstarb bereits 1925, doch das Gut blieb noch bis 1933 in seiner Familie, die dann vor den Nazis fliehen musste. Danach gelangte Hirschfelde in den Besitz des Opernsängers Carl Clewing, der hier bis 1945 lebte. Anschließend wurde Hirschfelde enteignet und im Gutshaus ein Kindergarten, der Hort, die Kinderkrippe, Wohnungen und die Gemeindeschwester untergebracht. Erst in den 1990 wurde das verbliebene Gutsgelände wieder privatisiert.

Der Gutspark selbst bliebt aber im Besitz der Gemeinde und ist somit öffentlich zugänglich. Angelegt wurde er ebenfalls von Eduard Arnhold, doch seine einstige Pracht ist heute nur noch zu erahnen, denn große Teile wurden unwiederbringlich zerstört. Arnhold gehörte zu den fünf reichsten Bürgern von Berlin und war nicht nur Unternehmer, sondern auch Mäzen und Kunstsammler. So legte er in seinem Gutspark eine Skulpturensammlung an.

Zwischen 1904 und 1910 wurde der gesamte, damals rund zweiundzwanzig Hektar große Park, durch den Architekten Paul Baumgarten neu gestaltet. Im Park gab es neben zahlreichen Skulpturen auch ein Naturtheater, ein Staudengarten mit Sonnenuhr, ein chinesisches Teehaus, ein Rosarium sowie zahlreiche Putten und weiße Parkbänke.

Noch im Jahr 1928 galt der Gutspark Hirschfelde zu den schönsten Architektengärten der ganzen Region. Doch viele der wertvollen Kunststücke sind heute in alle Himmelsrichtungen zerstreut oder zerstört worden. Der Park nur noch ein Schatten seiner selbst, auch wenn sich in den letzten Jahren viel Mühe gegeben wurde, zumindest den noch bestehenden Teil zu restaurieren.

Wenn man aufmerksam im Park unterwegs ist, kann man noch die Reste eines Springbrunnens entdecken. Der kostbare Brunnen wurde einst im Herkulaneum am Vesuv ausgegraben und ursprünglich 79 v. Chr. erbaut. Heute rottet er leider nur vor sich hin und das Geländer aus weißem Marmor ist längst verschollen.

Erhalten geblieben ist noch ein Teil des Baumbestands wie diese Allee, die heute wieder begehbar ist.

Im hinteren Teil des Parks sind noch einige Mauerreste zu finden, die einst zur Begrenzung des Anwesens gehörten.

Eine einzige Skulptur aus dem Gutspark ist heute noch in Hirschfelde zu finden, der Hirsch des Berliner Bildhauers Louis Tuaillon. Inzwischen steht der Hirsch jedoch im Ortszentrum, während er einst vor dem Gutshaus aufgestellt war. Die sowjetischen Streitkräfte nahmen den Hirsch 1945 mit und stellten ihn vor dem Offizierskasino auf dem Militärflughafen Werneuchen auf. Dort blieb er bis zum Abzug der Truppen. Erst nach der Wiedervereinigung gelangte der Hirsch zurück nach Hirschfelde.

Im Ortszentrum ist neben dem Hirsch noch die mittelalterliche Dorfkirche aus Feldsteinen zu bewundern, die erst kürzlich ein neues Dach bekommen hat.

Außerdem gibt es Reste eines alten Wasserturms, der einst auch für die Wasserversorgung des Gutes Hirschfelde genutzt wurde.

Damit endet der erste Teil meiner Reportage über Schlösser und Herrenhäuser im Lankreis Barnim. Im zweiten Teil werde ich weiter nach Norden fahren, wo noch einige interessante Anwesen zu finden sind.

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Betty

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