Schlösser und Herrenhäuser in Märkisch-Oderland, Brandenburg

Schlösser und Herrenhäuser gibt es in der Mark Brandenburg viele und so habe ich begonnen, die schönsten der einzelnen Landkreise zu dokumentieren. Dieses Mal verschlägt es mich in den Landkreis Märkisch-Oderland, der sich östlich von Berlin bis zur polnischen Grenze erstreckt.

Schloss Diedersdorf

Viele Schlösser und Herrenhäuser des Landkreises Märkisch-Oderland befinden sich im östlichen Teil und nahe der polnischen Grenze. So auch Schloss Diedersdorf, das Mitte um 1748 für den preußischen Kriegsrat von Kunow erbaut wurde. Der eingeschossige Bau mit hohem Sockel wurde im Stil eines Gutshauses errichtet.

Im Jahr 1792 wurde das Gutshaus jedoch an den Amtsrat Lehmann verkauft. Seine Erben verwalteten den Besitz bis 1872, als die Familie Seidel aus Berlin das Anwesen übernahm. Die neuen Besitzer nahmen umfangreiche Umbaumaßnahmen vor, zu den denen auch 1876 auch der Anbau des reich verzierten Barockportals sowie die Veranda auf der Gartenseite zählte.

Mit dem Einzug der Roten Armee 1945 wurde Schloss Diedersdorf enteignet und später wurden ein Kindergarten, eine Arztpraxis, der Jugendclub, die Gemeindeverwaltung sowie Büro- und Wohnräume im Gutshaus untergebracht. Nach der Wende fiel das Anwesen der Gemeinde zu, die aber keine finanziellen Mittel hatte, um es zu sanieren. So verkaufte sie das Schloss 1994 für eine symbolische Mark an die Brandenburgische Schlösser GmbH. Es folgte eine langwierige Sanierung und schließlich der Verkauf an einen privaten Eigentümer.

Während das Schloss heute von verschiedenen Firmen als Dienstsitz genutzt wird, ist der Schlosspark öffentlich zugänglich. Leider ist er nur in einem mäßigen Zustand und Teile sind auch wegen morscher Gehölze oder Unterspülung ganz gesperrt.

Schloss Gusow

Wie ein richtiges kleines Märchenschloss sieht Schloss Gusow aus, das allerdings bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1343 noch nicht mal annähernd so aussah wie heute. Wie das Haus damals ausgesehen hat, darüber gibt es gar keine Aufzeichnungen. Auch als Generalfeldmarschall und Statthalter von Pommern Georg von Derfflinger 1649 das Anwesen übernahm, dürfte es sich um ein einfaches Gutshaus gehandelt haben. Erst 1750 baut Otto Friedrich Christoph Graf von Podewils das Haus zu einer dreiflügeligen Anlage aus.

Noch 1860 war ein völlig anderes Gebäude im Bildband von Duncker abgebildet. Damals gehörte das Schloss der Familie Schönburg-Hinterglauchau, die es als Sommerresidenz und Jagdschloss nutzte.

Der Umbau zum heutigen Schloss Gusow erfolgte erst ab 1870. Graf Heinrich von Schönburg-Hinterglauchau beauftragte den Baumeister Ferdinand Neubart, das Gebäude völlig neu zu gestalten. Dieser lehnte seinen Entwurf an die Schlösser von Karl Friedrich Schinkel an. So wurde das gesamte Schloss im Stil der Neugotik mit Tudorelementen gestaltet.

Nach dem Tod der Gräfin Frieda von Schönburg-Hinterglauchau im Jahr 1943 wurde das Schloss zuerst von der Wehrmacht und danach von der Roten Armee genutzt. Im Jahr 1948 fiel es an die Gemeinde Gusow, die den historischen Bau als Getreidelager, als Geflügelrupfanstalt, Schule, Kindergarten oder Sitz der Dorfverwaltung nutzte, bevor sie das Schloss 1992 an einen privaten Besitzer veräußerte.

Viele Jahre wurde das Schloss danach als Wohnsitz, Hotel und Museum genutzt, doch momentan ist alles geschlossen und die Zukunft ungewiss. Auch der Schlosspark kann nicht besucht werden. Falls sich das wieder ändert, würde ich gerne nochmals nach Gusow zurückkehren.

Schloss Wulkow

Nur wenige Kilometer entfernt befindet sich Schloss Wulkow, das über die Jahrhunderte sogar teilweise dieselben Besitzer hatte wie Gusow. Urkundlich erwähnt wurde Wulkow zum ersten Mal 1361 und der slawische Name leitet sich vom Wort Wolf ab. Wie Gusow, gehörte Wulkow bis 1646 der Familie Schapelow. Nächster Besitzer war auch hier Georg von Derfflinger, der Margarete Tugendreich von Schapelow ehelichte. Da sein letzter Sohn jedoch kinderlos starb, kam das Anwesen zunächst in die Hände von Georg Friedrich von Ziethen und 1792 kauft Albrecht Wilhelm von Pannewitz den Besitz, der jedoch 1825 kinderlos starb. Durch Erbschaft gelangte Wulkow schließlich an die Familie von Brünneck, die bis 1945 Eigentümer blieb.

Zu Zeiten der DDR wurde das Schloss als Krankenhaus, als Flüchtlingsheim sowie als Schulungshaus genutzt, bevor es 1992 von der Treuhand an eine Familie aus dem Münsterland verkauft wurde. Sie renovierte das Herrenhaus und eröffnete es 1994 als Schlosshotel. In den nächsten Jahren ging die Familie mit dem Hotel durch Höhen und Tiefen. Vor allem eine unberechtigte Steuerforderung in Millionenhöhe bedeutete fast das Aus für das Schlosshotel. Doch die Eigentümer gaben nicht auf und konnten so ihr Haus 2015 in neue Verwaltung übergeben, bevor sie sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen haben.

Schloss Trebnitz

Weiter geht es nun nach Schloss Trebnitz, das sich nur wenige Fahrminuten südlich von Wulkow befindet. Ort und Gutsanlage wuden bereits 1124 erstmalig erwähnt und bis 1498 von einem Kloster verwaltet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut mehrmals überfallen und geplündert, sodass es 1648 eine Wüstung war. Erst als Joachim Ernst von Görzke das Gut 1661 kaufte, begann eine erneute Besiedlung. Nachdem dieser 1682 gestorben war, gelangte auch Trebnitz in durch Erbschaft in den Besitz von Georg von Derfflinger. Dessen Enkel baut das Gut zu einem herrschaftlichen Anwesen mit botanischem Park aus. Nach seinem Tod gab es jedoch große Erbstreitigkeiten.

So kam es, dass Albrecht Wilhelm von Pannewitz im Jahr 1792 neben Schloss Wulkow auch Schloss Trebnitz erwarb. Und ebenso wie Wulkow gelangte Trebnitz anch seinem Tod in die Familie von Brünneck, die hier bis 1945 residierte. Das heutige Schloss ging aus einem Vorgängerbau hervor und erhielt sein Aussehen erst zwischen 1900 und 1910 als es umfangreiche Umbaumaßnahmen gab. Nach der Enteignung 1945 erlitt das Schloss das übliche Schicksal, bevor es 1992 vom Verein „Schloß Trebnitz Bildungs- und Begegnungszentrum“ übernommen wurde, der hier bis heute Jugendbegegnungen durchführt.

Schloss Jahnsfelde

Meine kleine Rundfahrt im Süden des Landkreises Märkisch-Oderland endet in Jahnsfelde, da ich das Schloss Neuhardenberg gesondert vorstellen werde. Das Gebiet um den kleinen Ort war wohl schon in der Jungsteinzeit besiedelt, die Ortsgründung erfolgte im Jahr 1244 und wurde vom selben Kloster wie Trebnitz verwaltet, bis es 1449 in den Besitz des uradligen Geschlechts derer von Pfuel gelangte, die bis 1946 Eigentümer blieben. Sie bauten auch das noch heute erhaltene Schloss, das als ihr Stammhaus bekannt ist.

Der Bau stammt in seinen Grundzügen wahrscheinlich bereits aus dem 17. Jahrhundert, wurde aber mehrmals baulich stark verändert. Zuletzt wurde das Schloss, das damals nur aus dem Mittelteil bestand, im Jahr 1831 klassizistisch überformt. Die großzügige Erweiterung mit den Backsteinbauten fand 1871 anlässlich der Gründung des Kaiserreiches statt. Nach der Enteignung wurde das Schloss ebenfalls verschiedenen Nutzungen zugeführt bevor es 2017 an Eberhard Teufel verkauft wurde, der hier inzwischen eine Ferienwohnung eingerichtet hat. Teufel ist auch Besitzer des Schlosses Seeheim in Konstanz am Bodensee.

Das Schloss ist von einer alten Parkanlage umgeben, die der Gemeinde gehört und wegen ihres alten Baubestandes unter Schutz steht. Theodor Fontane beschrieb seinen Besuch im Jahr 1863 in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Gleich neben dem Schloss und am Rande des Schlossparks steht die im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaute Schlosskirche. In der Kirche zeugen mehrere Gedenktafeln von der fast 500-jährigen Geschichte derer von Pfuel in Jahnsfelde und auf dem Friedhof sind Teile des Erbbegräbnisses erhalten.

Gutshaus Möglin

Ich fahre nun ein Stück nach Norden, wo sich drei weitere interessante Schlösser befinden. Mein erster Stopp ist das Gutshaus Möglin, das im 17. und 18. Jahrhundert entstanden ist und mehrmals die Besitzer wechselte, bevor es von Albrecht Daniel Thaer in ein Mustergut verwandelt wurde. Thaer arbeitete zunächst als Mediziner in Celle und beschäftigte sich immer mehr mit landwirtschaftlichen Fragestellungen. Auf Einladung von König Friedrich Wilhelm III. siedelte er 1804 nach Preußen um und kaufte das Rittergut Möglin. Hier schuf er sein Mustergut, das er bis zu seinem Tode leitete. Heute gibt es im Ort ein kleines Museum sowie ein Denkmal, das das Thaer erinnert.

Schloss Prötzel

Etwas herrschaftlicher kommt wieder Schloss Prötzel daher, das 1712 bis 1717 für den preußischen Staatsminister und Generalmajor Paul Anton von Kameke erbaut wurde. Im Jahr 1800 gelangte das Schloss in den Besitz der Freiherren von Eckardstein, die das Gebäude großzügig umbauen ließen. Nach ihrer Vertreibung im Jahr 1945 war das Gebäude lange Zeit dem Verfall preisgegeben.

Nach der Wende wurde das Schloss zuerst durch einen Kulturverein genutzt, der sich auch an der Restaurierung versuchte, die aber an fehlenden finanziellen Mitteln scheiterte. Im jahr 2007 wurde Schloss Prötzel schließlich von dem in Hamburg lebenden armenischen Architekten und Bauunternehmer Aram Ekavyan gekauft, der es zunächst in ein Luxushotel umbauen wollte.

Leider ist die Sanierung aber auch vierzehn Jahre später noch nicht sehr weit fortgeschritten und der PLan mit dem Hotel wurde anscheinend inzwischen aufgegeben. Stattdessen soll das Schloss zu einem Kulturzentrum werden und drumherum soll eine Wohnbebauung entstehen. Zu sehen ist aber auch davon bisher wenig. Nur am Mittelteil des Schlosses wurde zumindest die Fassade saniert.

Wie prächtig das Anwesen um 1860 ausgesehen hat, zeigt das Bild aus der Sammlung Duncker. So wird auch Theodor Fontane Prötzel auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg gesehen haben.

Vom schönen Schlosspark, der 1770 erstmalige angelegt wurde, ist allerdings heute nur noch wenig erhalten und wenn hier eine Wohnbebauung stattfinden sollte, wird dieser Rest wohl auch noch verschwinden.

Neben dem Schloss stehen noch die Ruinen der alten Gutsanlage, die aber momentan stark einsturzgefährdet sind.

Schloss Reichenow

Das letzte Schloss, das ich besuche, ist Reichenow. Im Gegensatz zu Prötzel wurde es bereits umfassend saniert und wird seit 1997 als Schlosshotel betrieben. Erbaut wurde das heutige Schloss im neugotischen Stil zwischen 1897 und 1900 für August Freiherr von Eckardstein. Der Bauherr ließ sich damals von den englsichen Landsitzen im Tudorstil inspirieren.

Da das Schloss ohne Umbauten erhalten ist, ist es ein herausragendes Beispiel dieser Architektur in Brandenburg. Nach dem Krieg enteigenet, wurde das Schloss zu DDR-Zeiten als Grundschule genutzt, bevor es nach der Wende von der Brandenburgischen Schlösser GmbH übernommen und saniert wurde. Inzwischen ist das Schloss langfristig als Hotel verpachtet und bietet zweiundzwanzig Zimmer sowie ein Restaurant.

Umgeben ist Schloss Reichenow von einem schönen Schlosspark inklusive See, beides ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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