Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Sachsen-Anhalt

Der Grenz­über­gang Helmstedt/​ Mari­en­born war der größ­te und bedeu­tend­ste Grenz­über­gang wäh­rend der Zeit der deut­schen Tei­lung. Beson­ders der Tran­sit­ver­kehr zwi­schen Ber­lin und West­deutsch­land wur­de hier abge­wickelt. Zwi­schen 1945 und 1990 wur­den hier alle Rei­sen­den kon­trol­liert. Heu­te ist die­ser Kon­troll­punkt erhal­ten geblie­ben und eine Gedenk­stät­te, die zur Besich­ti­gung offen steht.

Noch heu­te kann in Mari­en­born hal­ten, wer mit dem Auto auf der Auto­bahn 2 unter­wegs ist, zumin­dest, wenn man in Rich­tung Osten fährt. Von der moder­nen Rast­stät­te gibt es einen Zugang zur Gedenk­stät­te. Kommt man aus ande­ren Rich­tun­gen, ist die Zufahrt ein klein wenig län­ger, um zum hin­te­ren Tor zu gelan­gen, wo eben­falls eine Zufahrt ein­ge­rich­tet wur­de. Dann aber sind es nur noch ein paar Meter bis zu dem Ort, an dem für 45 Jah­re jedes Fahr­zeug auf die­ser wich­ti­gen Tran­sit­strecke hal­ten musste.

Die Kon­troll­stel­le, die hier heu­te zu sehen ist, wur­de aller­dings erst zwi­schen 1972 und 1974 errich­tet, da man vor­he­ri­ge Pro­vi­so­ri­en als zu unsi­cher ansah.

Wo heu­te abso­lu­te Ruhe herrscht, war einst rund um die Uhr Betrieb. Bis zu 1000 Grenz­sol­da­ten sowie Bedien­ste­te von Pass­kon­trol­le, Zoll und der Staats­si­cher­heit waren hier sta­tio­niert. Allein zwi­schen 1984 und 1989 fer­tig­ten sie zehn Mil­lio­nen Autos und fünf Mil­lio­nen Last­kraft­wa­gen ab.

Viel hat sich seit­dem nicht ver­än­dert, denn bereits 1990 wur­de der Kon­troll­punkt unter Denk­mal­schutz gestellt. Mit einer Aus­nah­me, dem ehe­ma­li­gen Aus­rei­se­be­reich, der zugun­sten einer moder­nen Auto­bahn wei­chen muss­te. So ist heu­te nur noch die Ein­rei­se zu sehen.

Die­se Kon­troll­stel­le lag rund 1,5 Kilo­me­ter hin­ter der eigent­li­chen Gren­ze und der Auto­bahn­be­reich dazwi­schen wur­de durch hohe Mau­ern gesi­chert. In den Con­tai­ner­häus­chen saßen dann die Grenzbeamten.

Im hin­te­ren Bereich der Anla­ge befand sich der Zoll. Hier wur­den weit­rei­chen­de Fahr­zeug­kon­trol­len durchgeführt.

Dazu wur­den die Fahr­zeu­ge in die­sen Raum gebracht, wo sie von allen Sei­ten, auch von unten, inspi­ziert wer­den konn­ten. Aus­ge­stellt sind hier außer­dem Werk­zeu­ge, mit denen die Zöll­ner die Fahr­zeu­ge wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen unterzogen.

In einem klei­nen Neben­raum wur­den die Per­so­nen­kon­trol­len durch­ge­führt. Dazu konn­te nicht nur das Ent­lee­ren sämt­li­cher Taschen, son­dern sogar das Ent­klei­den gehören.

In einem wei­te­ren Raum wur­de über alles Pro­to­koll geführt und es fan­den Befra­gun­gen statt.

Ab 1985 wur­den übri­gens auch die ein­fa­chen Kon­trol­len noch ein­mal ver­schärft. Jeder ein­zel­ne Pass wur­de dann unter eine Kame­ra gelegt und das Bild in die Zen­tra­le geschickt. Dort wur­de es mit vor­han­de­nen Bil­dern abge­gli­chen. Dazu gehör­te auch die Über­prü­fung von Augen­ab­stand, Nasen- und Ohren­form. Alle Mit­ar­bei­ter der Pass­kon­trol­le gehör­ten auch dem Mini­ste­ri­um für Staats­si­cher­heit an und waren in ope­ra­ti­ver Psy­cho­lo­gie geschult.

Neben der Kon­troll­stel­le steht das soge­nann­te Stabs­ge­bäu­de. Heu­te befin­det sich hier das Besu­cher­zen­trum, zu Zei­ten der Grenz­kon­trol­le war die Ver­wal­tung in dem Gebäu­de unter­ge­bracht. Wei­ter­hin sind alle Gebäu­de durch ein rund vier Kilo­me­ter lan­ges Tun­nel­sy­stem verbunden.

In der Aus­stel­lung, die im Stabs­ge­bäu­de gezeigt wird, sind vie­le Erin­ne­rungs­stücke an das geteil­te Deutsch­land zu sehen. Foto­gra­fien erzäh­len die Geschich­te der Men­schen auf bei­den Sei­ten der Grenze.

Hier wird ein brei­tes Spek­trum abge­deckt, dass auch den Inter­shop oder eben die Aus­stat­tung des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des mit einschließt.

Am Aus­gang steht schließ­lich noch die Skulp­tur „Mau­er­klam­mer” von Achim Bors­dorf. Der Künst­ler schuf sie 1994 aus Stahl und einem ori­gi­na­len Mau­er­stück. Sie ist ein Geschenk der Helm­sted­ter Bür­ger zum Gedenken.

Es ist schon ein beklem­men­des Gefühl, wenn man so über die Anla­ge läuft und über­legt, was Men­schen ande­ren Men­schen hier alles zuge­mu­tet haben. Ich bin froh und dank­bar, dass ich jeder­zeit wie­der fah­ren kann, ohne Kon­trol­le oder Befragung.

Gedenk­stät­te Deut­sche Tei­lung Marienborn
Auto­bahn 2, 39365 Harbke
Tgl. 10–17 Uhr
Ein­tritt: kostenlos

Arti­kel aus der Rei­he Deutsch-​deutsche Teilung:

Grenz­hus Schlags­dorf, Mecklenburg-Vorpommern

Grenz­mu­se­um Schiff­lers­grund, Hessen/​ Thü­rin­gen

DDR-​Grenzbahnhof Probst­zel­la, Thüringen

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Grenz­denk­mal Höten­s­le­ben, Sachsen-Anhalt

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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