Mittsommer Remise 2022 in Mecklenburg – rund um die Müritz

Während der Mittsommer Remise öffnen in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr Schlösser, Herren- und Gutshäuser ihre Pforten. Ein Wochenende lang sind so besondere Einblicke hinter die Kulissen der renovierten, aber auch unrenovierten Fassaden möglich. Den Anfang machten auch 2022 die Anwesen in Mecklenburg, von denen ich wieder einige besucht habe.

Schloss Retzow

In diesem Jahr habe ich mir die Region rund um die Müritz ausgesucht und will mir bis dato unbekannte Herrenhäuser besuchen. Ein besonderes Schmankerl ist natürlich der Blick in die Häuser und Gärten, der sonst meist eher nicht möglich ist. So auch bei Schloss Retzow, das zu dieser Mittsommer Remise mein erstes Ziel ist.

Schon bei der Anfahrt stelle ich fest, Retzow erstrahlt inzwischen wieder in altem Glanz. Das Gutshaus und zumindest die unmittelbaren Nebengebäude sind in ausgezeichnetem Zustand und es macht einfach Spaß hier anzureisen. Das kann man übrigens auch außerhalb der Mittsommer Remise, dann aber als Feriengast, denn im Haupthaus werden mehrere Appartements angeboten.

Aber zurück zur Geschichte des prächtigen Schlosses, das eines der Prachtstücke im südlichen Mecklenburg ist. Das Anwesen selbst ist, wie sehr viele Güter im hohen Norden, sehr alt. Schon seit slawischen Zeiten befand es sich im Besitz der Familie von Kerkberg, bis es 1787 zu einer bedeutenden Transformation kam. Die Barone von Hammerstein wurden Eigentümer und erbauten um 1800 dieses prächtige Wohnhaus.

Und dieses Gefühl ein Schloss zu besuchen, bekomme ich auch heute wieder, als ich in das Haus eintrete. Es ist fast so, als würde Baron von Hammerstein noch immer hier residieren.

Von der Eingangshalle führt eine Doppeltür direkt in den großen Saal, der über einhundert Gäste fassen kann und von einem Lüster illuminiert wird, der rund eine halbe Tonne wiegt.

Der Saal gehört übrigens, wie das benachbarte Zimmer auch, zu den öffentlichen Bereichen des Schlosses, die von den Gästen genutzt werden können, aber auch vermietet werden. Besonders Hochzeitspaare zieht es nach Retzow und so ist dieser grüne Raum auch offizielle Außenstelle des Standesamtes.

Zur Mittsommer Remise geöffnet ist auch eine der Ferienwohnungen im Schloss. Auf drei Etagen sind die Ferienappartements untergebracht, zwei davon auf der Belle Etage. Das Apartment Pommern ist eine davon und mit 57 Quadratmeter großzügig geschnitten. Es gibt ein Wohnzimmer mit Einbauküche…

… sowie ein Schlafzimmer mit antikem Bett und angeschlossenem Duschbad.

Sein heutiges Aussehen hat Schloss Retzow dem dänischen Geschäftsmann Lars Fogh zu verdanken, der das Anwesen 2012 erwarb und über vier Jahre wunderschön renovierte. Zuvor stand das Haus seit 1994 leer und blickte einer ungewissen Zukunft entgegen.

Schon zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs war das Schloss nicht mehr bewohnt und wurde als Schule der Luftwaffe genutzt. Nach dem Krieg fanden auch hier zunächst Flüchtlinge eine Bleibe. Zu DDR-Zeiten wurde Schloss Retzow als Altersheim genutzt, was es bis zur Wende blieb.

Inzwischen zeugt aber nichts mehr von diesen Zwischennutzungen und Schloss Retzow ist wieder ein wahres Schmuckstück in der Mecklenburgischen Seenplatte. Umgeben ist das Schloss von einem großen Park, der zu Sparziergängen oder einfach zum Entspannen einlädt.

Schloss Gut Priborn

Was Retzow schon geschafft hat, das hat Schloss Priborn noch vor sich, eine umfassende Sanierung. Zumindest von außen macht das herrschaftliche Gebäude aber schon wieder einen recht guten Eindruck, nachdem es ebenfalls viele Jahre vernachlässigt wurde.

Durch Fürst Nikolaus von Werle wurde Priborn 1239 erstmalig erwähnt und Gut sowie Dorf gingen in den folgenden Jahrhunderten durch so einige Hände bis sie 1732 von der Familie von Ferber zu Melz erworben wurden. Schon ein Jahr später legte Ernst August von Ferber auf dem heutigen Schlossareal einen Park an, dessen alter Baumbestand noch immer in Teilen erhalten ist. Zwischen 1870 und 1880 errichteten sein Enkel Ernst von Ferber und dessen Frau Valley von Bornstedt schließlich das Schloss aus rotem Backstein.

Die Familienwappen der von Ferber und von Bornstedt sind noch heute am Giebel erhalten.

Innen ist allerdings so gut wie nichts mehr von der historischen Bausubstanz erhalten, denn wie so ziemliche alle Gutsbesitzer wurde auch Nachkomme Dr.-Ing. Horst von Ferber im Jahr 1945 enteignet. Anschließend zogen zunächst die russische Kommandantur und etliche Flüchtlingsfamilien in das Schloss ein. Später wurde das Schloss als Gaststätte und Kulturhaus sowie ab 1960 als Schule genutzt.

Und Schule bliebt das Schloss bis 2003. Daran erinnern sich auch noch viele Priborner, die während der Mittsommer Remise das Anwesen besuchen. So komme ich mit einigen Leuten ins Gespräch, die hier die Schulbank drückten und auch die letzte stellvertretende Direktorin ist an diesem Tag im Schloss anzutreffen.

Dieses einst repräsentative Turmzimmer war damals das Büro des Direktors, der übrigens der Vater des heutigen Eigentümers war. Doch zwischendurch blickte Schloss Priborn in eine ungewisse Zukunft.

Während die Schule 2003 auszog, wurde das Haus noch bis 2009 von der Gemeinde und als Kulturzentrum genutzt. Dann jedoch wurde beschlossen, das Schloss an eine Wolf Immobilien GmbH aus Leipzig zu verkaufen, die es weiterveräußern wollte. Ein Käufer wurde jedoch nie gefunden und das Gebäude rund zehn Jahre sich selbst überlassen.

Nur einmal konnten die Priborner zuvor zurück auf das Gelände, im Jahr 2014, zur 775-Jahrfeier des Ortes, als eine Sondernutzung ausgehandelt wurde. Doch bereits im Jahr 2018 begann sich das Blatt zu wandeln. Die Priborner Familie Klein & Panter kaufte zunächst Teile des Schlossparks und konnte zwei Jahre später auch das Schloss erwerben. Seitdem ist eine komplette Sanierung geplant.

Während das Schloss nun also wieder besseren Zeiten entgegensieht, steige ich noch hinab in die Kellerräume des alten Gemäuers. Der Zugang an der Seite scheint später angebaut worden zu sein, denn historisch sieht das nicht aus.

Die alten Gewölbedecken im Untergeschoss sind aber noch immer sehr schön erhalten und das trotz der jahrelangen Nutzung als Jugendclub. Besonders viele Priborner erinnern sich noch daran, hier als Jugendliche gefeiert zu haben.

Es bleibt also spannend, wie es mit dem Schloss nun weitergeht. Der Käufer hat jedenfalls große Pläne mit dem Gebäude, in dem er einst selbst zur Schule gegangen ist. Die Räume sollen für Events zu mieten sein und ein Zentrum für regionale Produkte soll entstehen. Ein Versprechen hat Neueigentümer Dirk Klein-Panter auch schon eingelöst, der Kulturverein hat hier eine kostenlose Bleibe gefunden und erforscht nun auch die Geschichte des Anwesens weiter.

Hinter dem Schloss ist übrigens noch ein moderner Anbau zu finden, der als kleines Schloss bekannt ist und die Grundschule beherbergte. Auch er soll erhalten bleiben und eines Tages zu den Eventflächen gehören.

Schloss Fincken und Kavaliershaus

Eine Zukunft hatte auch Schloss Fincken, zumindest eine Weile, denn inzwischen sieht das Herrenhaus wieder unsicheren Zeiten entgegen und steht zum Verkauf. Einst war das prächtige Gebäude, das 1801 errichtet wurde, im Besitz des gräflichen Zweiges der Familie von Blücher, die von 1759 bis 1930 Eigentümer des Anwesens war. Ab 1975 wurde das Schloss zunächst zu einem Betriebsferienheim umgebaut und in den 1990er Jahren als Hotel geführt, bevor es von der Diakonie übernommen wurde. Inzwischen steht das Gebäude schon einige Jahre leer und wartet auf neue Besitzer.

Gleich nebenan hat sich jedoch einiges getan. Im ehemaligen Kavaliershaus, das viele Jahre als Schule genutzt wurde, ist heute ein Hotel zu finden. Das öffnete zur Mittsommer Remise zwar seine Pforten, doch viel zu sehen gab es nicht, denn alle Gästezimmer waren belegt, sodass lediglich ein Blick in die Vorräume und das kleine Lokal blieb.

Gutshaus Ludorf

Zum Hotel ausgebaut wurde auch das Gutshaus Ludorf, das bereits 1698 im Stil der süddänischen Klinkerrenaissance errichtet wurde. Doch in der Familie von Knuth, die auch Erbauer des Herrenhauses war, befand sich das Anwesen indirekt schon viel länger. Einst gab es hier eine Burg, die der Familie von Morin gehörte. Die Familie starb jedoch aus und die letzte überlebende Tochter heiratete einen von Knuth. Die Söhne der Familie gingen im 17. Jahrhundert an den dänischen Hof und einer wurde sogar Oberkammerjunker des dänischen Königs Christian V., sodass der dänische Einfluss am Haus nicht verwunderlich ist.

Über der Eingangstür ist noch heute das Knuthsche Wappen zu finden und darunter eine Inschrift, die über den Bau des Herrenhauses berichtet.

Der Türbogen darunter mit einer weiteren Inschrift ist allerdings sogar etwas älter als das Haus. „Moritz, Jakob, Joachim Gebroder de Knuth. Anno Domini 1576“ ist hier zu lesen und eigentlich befand sich das Portal am Knuthschen Haus in Leizen. Bei dessen Abbruch kam es hier an das Haus in Ludorf.

Das Gutshaus ist heute wunderschön saniert und schon die Lobby macht Lust darauf, das Haus zu erkunden. Seit 1998 sind hier bereits ein Hotel und ein Restaurant zu finden.

Gleich neben der Eingangstür ist übrigens das originale Wappen der Familie von Knuth zu sehen, über der Tür hängt heute eine Kopie.

Zur Mittsommer Remise hat das Gutshaus viele Bereiche geöffnet und lässt Besucher ganz entspannt durch das alte Gemäuer wandeln.

Der bedeutendste Schatz des Hauses aber ist in einem Saal zu finden. Hier sind noch heute die Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert erhalten geblieben, die wunderschön restauriert wurden.

Das Gutshaus ist von einem schönen Park umgeben, der Gästen und Besuchern offensteht.

An der Gartenseite befindet sich heute wieder eine hölzerne Veranda, die ursprünglich im 19. Jahrhundert angebaut, aber später wieder abgerissen wurde. Im Jahr 1999 wurde sie nach alten Plänen rekonstruiert, allerdings mit einem Fluchtweg an der Seite versehen, da das Haus sonst nicht als öffentliches Gebäude bis unter das Dach betrieben werden könnte.

Rund um das Gutshaus sind noch einige weitere historische Gebäude erhalten geblieben, die heute zu Wohnhäusern ausgebaut sind.

Gutshaus Penzlin

Der Tag ist schon recht weit fortgeschritten, als ich das Gutshaus Penzlin erreiche. Die Zeit vergeht immer viel zu schnell und ein Tag für die teilnehmenden Gutshäuser der Mittsommer Remise in Mecklenburg ist eigentlich viel zu kurz. So stehe ich hier auch zunächst vor verschlossener Tür, denn die letzte Führung durch das Haus ist längst vorbei. Als die Eigentümerin allerdings sieht, dass sich noch mehrere Gäste eingefunden haben, öffnet sie spontan nochmals die Türen zu ihrem Kleinod.

Das Gutshaus Penzlin war einst zentraler Ort eines Rittergutes und wurde im 18. Jahrhundert auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus für die Familie von Lützow errichtet. Über die Jahrhunderte wechselten die Besitzer immer wieder, bevor auch dieses Anwesen enteignet wurde. Es folgte die übliche Nutzung mit Wohnungen, LPG Küche, Kindergarten, Krankenstation, Konsum-Geschäft und Kultursaal. Ab 2003 stand das Haus schließlich leer, bevor es 2015 von der heutigen Eigentümerin gekauft und liebevoll saniert wurde.

Das ist dann auch das Besondere am Gutshaus Penzlin. Hier ist kein Hotel zu finden und auch keine Ferienwohnungen, dieses Gutshaus ist ein Privathaus und so gibt es an diesem Tag einen ganz seltenen Einblick hinter die Gutshausmauern.

Wenn alte Substanz erhalten werden konnte, dann wurde sie richtig toll in die neue Nutzung integriert, wie es hier im Bad mit den alten Fliesen geschehen ist.

Im Obergeschoss wurden teilweise die alten Balken freigelegt, die den Räumen eine ganz besondere Atmosphäre geben.

Gutsanlage Diekhof

Damit endet meine Rundfahrt um die Müritz eigentlich, doch auf dem Heimweg stoppe ich noch an einer Gutsanlage, die ich bereits von einem früheren Besuch kenne. In Diekhof war ich schon einmal, jedoch habe ich das Anwesen nur von außen gesehen, denn hier sind heute Wohnungen untergebracht.

Erhalten geblieben sind von der zwischen 1732 und 1739 für Ludwig Achaz von Hahn nach französischem Vorbild erbaut Anlage allerdings nur die Nebengebäude. Vom Schloss selbst gibt es nur noch das Fundament zu sehen.

Alte Bilder lassen noch erahnen, was hier einst für ein prächtiges Ensemble gestanden hat, das in den letzten Tagen des Krieges jedoch zu großen Teilen einem Feuer zum Opfer fiel.

Auch der südliche Seitenflügel wurde später abgerissen, sodass heute nur noch der nördliche Seitenflügel sowie die Schlosskapelle erhalten sind, die inzwischen für kulturelle Veranstalten genutzt wird.

Rund um das Schloss gibt es einen großen Schlosspark, der aber in großen Teilen noch immer verwildert ist und auf eine Sanierung wartet.

Damit endet für mich die Mittsommer Remise 2022 in Mecklenburg. Der zweite Tag der Veranstaltung ist, wie immer, den Gutshäuser in Vorpommern gewidmet, von denen ich natürlich auch wieder einige besucht habe. Doch davon erzähle ich in einem separaten Artikel.

Besuchte Häuser:

Schloss Retzow, Parkweg 7, 17248 Rechlin

Schlossgut Priborn, Dorfstraße 60, 17209 Priborn

Schloss Fincken und Kavaliershaus, Hofstraße 12, 17209 Fincken

Gutshaus Ludorf, Rondell 7, 17207 Südmüritz

Gutshaus Penzlin, Am Brink 14, 19386 Gallin-Kuppentin

Gutsanlage Diekhof, Am Schlosspark, 18299 Diekhof

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