Fuerteventura entdecken – eine Inselrundfahrt durch das Hinterland und in den Norden

Mit einer Fahrt durch den Norden und das Hinterland von Fuerteventura setze ich meine Besichtigung der Insel. Für mich geht es über enge Bergstraßen, durch karge Landschaften und zu einigen historischen Zielen. Fuerteventura als zweitgrößte der Kanaren hat schon einige Entfernungen zu bieten und so wird dieser Ausflug ein langer Tag, gespickt mit vielen interessanten Zielen.

weisse Kirche mit Turm und Palme

Fuerteventura entdecken – Fahrt durch das Inselzentrum

Meine Fahrt startet wieder in Caleta de Fuste, wo sich mein Hotel befindet. Von hier führt mich mein Weg heute ins Inselinnere, wo ich zunächst Antigua ansteuere.

Hier steht eine der berühmten Windmühlen der Insel. Näher heran komme ich jedoch nicht, denn “El Molino” ist ein Museum und das hat heute leider geschlossen. Eine Kuriosität über spanische Windmühlen lerne ich dennoch, denn diese können sowohl weiblich als auch männlich sein.

El Molino, was grammatikalisch korrekt ist, werden die zwei- und dreistöckigen Mühlen genannt, die bereits im 18. Jahrhundert nach Fuerteventura kamen. Im obersten Stockwerk befand sich das Mahlwerk und der große Nachteil der Konstruktion war, dass man die schweren Getreidesäcke bis nach oben tragen musste.

La Molina, die weibliche Windmühle, unterscheidet sich in der Konstruktion. Ein gewissen Isidoro Ortega erfand diese Mühlen Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie haben nur ein Geschoss und so befindet sich der gesamte Arbeitsbereich auf einer Etage. Das Schleppen der Säcke nach oben entfällt.

Für mich geht es nun weiter durch das Herz der Insel in Richtung Pájara. Hier biege ich nach Norden ab und nach einer Weile wird die Straße immer enger, ist jedoch weiterhin gut asphaltiert. Es geht durch die Berge, inklusive enger Kurven und schmaler Stellen, jedoch nichts Dramatisches, einfach eine schöne Fahrt.

Am Mirador del Risco de las Penas werde ich schon in der Gemeinde begrüßt, die mein nächstes Ziel ist, Betancuria. Vom Ort selbst ist hier aber noch nichts zu sehen.

Dafür gibt es aber immer wieder schöne Ausblicke auf die Landschaft der Insel, umso weiter ich der Straße folge.

Viel los ist hier nicht, nur ab und zu begegnet mir ein anderes Fahrzeug, einmal ist eine Reisegruppe im Kleinbus dabei. Ansonsten kann ich die Fahrt einfach genießen.

Was ich auf dieser Fahrt besonders schön sehe, auf Fuerteventura gibt es historisch gesehen fast keine Vegetation. Die Insel besteht hauptsächlich aus Vulkangestein und ist sehr trocken. Pflanzen sind nur an wenigen Stellen präsent, immer dort, wo es Wasser gibt.

Fuerteventura entdecken – Betancuria

Schließlich erreiche ich Betancuria, den historisch bedeutsamsten Ort der Insel. Zwar hat die kleine Gemeinde selbst heute nur rund zweihundert Einwohner, ist dafür aber sehr alt. Bereits 1404 wurde sie vom Eroberer Jean de Béthencourt gegründet und trägt bis heute seinen Namen.

Seit seiner Gründung war Betancuria auch Inselhauptstadt, bis sie 1834 von Antigua und 1860 vom heutigen Puerto del Rosario abgelöst wurde. An diese Zeit wir heute mit einem Gedenkstein erinnert.

Direkt ins Zentrum kann ich mit dem Auto nicht fahren, denn das ist heute Fußgängerzone. Vom Parkplatz ist es aber nicht weit, denn große Entfernungen gibt es in Betancuria nirgends.

Herzstück des Ortes ist die Plaza Santa María de Bentancuria mit der Kirche gleichen Namens. Die ist gegen einen geringen Obolus auch zu besichtigen.

Gegründet wurde die Kirche eigentlich schon kurz nach der Stadtgründung, bei einem Überfall des nordafrikanischen Seeräubers Xabán Arráez im Jahr 1593 jedoch zusammen mit dem Ort fast vollständig zerstört. Erst 1691 war die Kirche wieder aufgebaut und so ist sie noch heute zu sehen.

Besonders bemerkenswert ist die Sakristei, denn hier finden sich die wahren Schätze des Gotteshauses, zu denen dieser reich ausgestattete Raum gehört.

Nach dem Besuch der Kirche drehe ich noch eine kurze Runde durch das Ortszentrum, das wirklich sehr übersichtlich ist. Ein paar Händler bauen gerade ihre Stände auf, sonst ist hier am Morgen noch nicht viel los. Zum Fotografieren also gerade richtig.

Fuerteventura entdecken – Durch die Berge nach Norden

Ich folge der FV-30 nun weiter nach Norden. Wieder geht es durch größtenteils karge Landschaften, die aber auch ihren Reiz haben. Mein nächster Stopp ist der Mirador de Morro Velosa, von wo ich einen schönen Blick zurück nach Betancuria habe.

Hauptsächlich halten die Ausflügler hier aber wegen diesen zwei Herren, die wohl jedem, der hier vorbeikommt, sofort ins Auge stechen. Rund viereinhalb Meter sind sie hoch und zeigen die ehemaligen Könige Guise und Ayose, Sie regierten auf Fuerteventura vor der Eroberung, als die Insel in zwei Königreiche aufgeteilt war.

Die Statuen schauen heute über einen Großteil der Insel, über die sie einst herrschten, eines lag im Süden der Insel, das andere im Norden. Getrennt waren sie durch eine niedrige Steinmauer, die irgendwo in dieser Gegend verlaufen sein soll.

Kurvenreich geht es auch nach dem Aussichtspunkt noch einmal weiter. Die Straße führt von hier wieder hinunter ins Tal, wo sie anschließend in eine andere Inselstraße übergeht.

Fuerteventura entdecken – El Cotillo

Mich zieht es nun zurück an die Küste. Hier im äußersten Nordwesten der Insel erreichten einst auch die Eroberer die Insel. Auch später noch spielte der Hafen eine bedeutende Rolle für den Handel, verlor jedoch aufgrund der vorgelagerten Riffe später an Bedeutung. Inzwischen wird der Hafen von El Costillo hauptsächlich von Fischern und Touristen genutzt.

Und dann sind da noch die Surfer, die sich hier in Scharen im Meer tummeln. Der ständige Wind und die raue See machen diesen Teil der Küste zum idealen Surfrevier.

Ansonsten geht es aber auch hier eher ruhig zu. Nur rund tausendfünfhundert Menschen leben in dieser Ecke der Insel und Trubel gibt es höchsten an den wenigen Stränden, die es in dieser Gegend gibt.

Ich schaue mir noch das Castillo El Cotillo an, einen Wehrturm, der zwischen 1741 und 1743 errichtet wurde. Diese militärischen Befestigungsanlagen wurden erbaut, um die Insel besser gegen die Angriffe von Piraten zu verteidigen. Eigentlich sollte man das Castillo auch besichtigen können, doch während meiner Reise war es auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Fuerteventura entdecken – Dünen von Corralejo

Ein absolutes Highlight auf Fuerteventura sind die Dünen von Corralejo und dementsprechend viele Urlauber sind hier auch unterwegs. Nicht nur die weißen Sandhügel ziehen sie an, sondern auch die feinsandigen Strände, die an den Atlantik hinan reichen.

Rund acht Kilometer lang und bis zu zweieinhalb Kilometer breit ist dieses riesige Dünengebiet, das sogar aus der Luft gut zu erkennen ist. Inzwischen sind die Dünen sogar zum Naturschutzgebiet deklariert worden, sodass hier nicht mehr gebaut werden darf. Lediglich zwei Hotels gibt es an diesem Teil der Küste, ansonsten nur kleine Strandkioske und viel unberührte Natur.

Die Berge im Hintergrund gehören übrigens nicht mehr zu Fuerteventura. Das ist bereits Lanzarote, die Nachbarinsel im Norden, die vom nahen Fährhafen auch zügig erreicht werden kann.

Fuerteventura entdecken – Puerto del Rosario

Für mich geht es von den herrlichen Dünen wieder weiter nach Süden, wo sich die heutige Inselhauptstadt Puerto del Rosario befindet. Schnell wird hier der Verkehr dichten und man merkt, hier pulsiert heute das Herz der Insel, hier leben auch die meisten Menschen. Und trotzdem gibt es einige schöne Ecken zu entdecken. Zu denen gehört auf jeden Fall die Hafenpromenade.

Ganz prominent und nicht zu übersehen, findet sich hier ein weiteres der Walskelette, die ich schon mehrmals auf der Insel entdeckt habe.

Die Playa Chica ist der Stadtstrand von Ruerto del Rosario und für sein klares und vor allem ruhiges Wasser bekannt.

Auch Kunst gibt es an der Hafenpromenade zu entdecken. So sind auf den Kaimauern verschiedene Skulpturen aufgestellt.

Und dann kann man hier auch noch richtig gut Schiffe gucken, denn in Puerto del Rosario befindet sich auch der Kreuzfahrthafen der Insel. Hier machen die großen und kleinen Ozeandampfer regelmäßig fest und spucken vor allem zwischen Herbst und Frühjahr Heerscharen an zusätzlichen Touristen aus.

Fuerteventura entdecken – Museo de la Sal

Bevor es für mich zurück ins Hotel geht, mache ich noch einen letzten Ausflug in das Museo de la Sal. Salz war lange Zeit ein wichtiger Rohstoff auf der Insel und wurde als das weiße Gold bezeichnet. Heute sind die Salinen im Salzmuseum die einzigen auf Fuerteventura, die noch in Betrieb sind.

In den Salinen wird zwar noch immer Salz gewonnen, doch sind sie auch für Besucher ein lohnenswertes Ziel. Im angeschlossenen Museum wird die Geschichte der Salzgewinnung näher erläutert. Schon in den 1770 Jahren wurde hier das weiße Gold gewonnen.

Ein Gang mitten durch die Salzbecken veranschaulicht sehr schön, wie auf der Insel Salz gewonnen wurde. Noch vor hundert Jahren gab es diese Becken an vielen Stellen auf Fuerteventura. Heute zeugen bestenfalls noch ein paar Ruinen oder der ein oder andere Name von dieser Zeit. Die Salzgewinnung hat völlig an Bedeutung verloren.

Doch wie funktioniert das nun eigentlich mit der Salzgewinnung? Das ist im Grunde ganz einfach. Der Atlantik ist sehr salzhaltig und das Wasser wird in die flachen Becken geleitet. Hier verdunstet es und bleiben aus einem Liter verdunstetes Meerwasser rund zehn Gramm Salz zurück.

Diese Saline ist übrigens auch ein Meisterwerk der Architektur, denn sie kommt völlig ohne Pumpe oder Schöpfrad aus. Die Becken werden nur die die Kraft der Wellen befüllt. Dabei kommt alle sechs Stunden bei Flut besonders die sehr salzhaltige Gischt über die Mauern und füllt so die Auffangbecken. Von hier durchläuft das Wasser mehrere Becken, wie das genau funktioniert, wird im Museum wunderbar erklärt.

Salz wird übrigens in drei Qualitätsstufen hergestellt. Die reinste Qualität ist für den menschlichen Verzehr gedacht. Stufe zwei enthält leichte Verunreinigungen und wird an Tiere verfüttert und Stufe drei wird als Streusalz genutzt. Wer sich jetzt fragt, wo man das denn auf den Kanaren braucht, der sollte bedenken, dass die Teide auf Teneriffa 3.718 Meter hoch ist und es im Park und drumherum auch Straßen gibt, die im Winter durchaus überfrieren können. Salzreste dürfen übrigens nicht zurück ins Meer gekippt werden, da sie durch die hohe Konzentration den Salzgehalt des Wassers durcheinanderbringen und Lebewesen schädigen würden.

Direkt am Meer ist auf dem Museumsgelände noch ein einzelnes Gebäude zu sehen. Hier war das Salzlager zu finden, wo die kostbare Fracht bis zur Verschiffung aufbewahrt wurde.

Direkt am Meer finde ich ein weiteres der Walskelette. Sie sind übrigens echt und stammen von gestrandeten Tieren, die an den Küsten der Insel verendet sind. An jedem Skelett ist auch eine Tafel aufgestellt, die mehr zu den Tieren und ihrem Lebensraum erzählt.

Fuerteventura entdecken – Fazit

Mit dem Besuch des Salzmuseums endet meine kleine Rundfahrt durch das Hinterland und den Norden von Fuerteventura. Mir hat auch dieser Teil der Insel sehr gut gefallen, unterscheidet er sich doch etwas vom Süden. Die Küsten sind hier weniger schroff und teilweise mehr zum Baden geeignet und es gibt einige historisch interessante Orte zu entdecken. Mich hat Fuerteventura angenehm überrascht, wurde ich doch im Vorfeld verwundert angesehen und gefragt, was ich auf der Insel wollte, weil sie besonders bei Badeurlaubern und Wassersportlern populär ist, beide Dinge, die ich eher weniger mache. Und doch habe ich die Reise nicht bereut, denn Fuerteventura hat viel mehr zu bieten als nur weißen Sandstrand und perfekte Wellen.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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