Tempelhof – Berlins Zentralflughafen

Für meine neue Reportage-Reihe habe ich ein bisschen in meinen Archiven gekramt. Nach der Schließung des Flughafens Berlin-Tegel habe ich mich an die Schließung des Flughafens Berlin-Tempelhof erinnert. Zwar war ich dort nicht am letzten Betriebstag vor Ort, konnte aber rund um die Schließung an einigen unvergesslichen Events teilnehmen.

Der Flughafen Tempelhof war neben den Flugplätzen Johannisthal und Staaken einer der ersten Verkehrsflughäfen der Hauptstadt und wurde 1923 für den Flugverkehr freigegeben. Auch nach der Eröffnung der Flughäfen Tegel und Schönefeld wurde der kleine Cityflughafen weiterbetrieben. Erst am 30. Oktober 2008 schloss der Zentralflughafen Berlin-Tempfelhof für immer seine Start- und Landebahnen.

Der erste Eindruck, den Passagiere, die von Berlin abflogen, vom Flughafen bekamen, war fast immer dieser – die große Haupthalle. Im Jahr 1962 wurde sie in dieser Form eingeweiht und fertigte in Hochzeiten über vier Millionen Passagiere jährlich ab. Gedacht war das allerdings anders und diese Form des Gebäudes eigentlich nur ein Provisorium, doch dazu später mehr.

Gleich neben dem Eingang erinnerte dieses Wandbild an die wechselvolle Geschichte des Flughafens, der nicht nur zivil genutzt wurde. Seit der Nachkriegszeit bis zu ihrem Abzug 1993 betrieb die amerikanische Air Force hier einen Stützpunkt. Berühmt aber wurde Tempelhof durch die Luftbrücke und vor allem die Candy Bomber, jene Piloten, die nicht nur benötigte Waren in die eingeschlossene Stadt lieferten, sondern auch Süßigkeiten für die Kinder abwarfen.

Aber zurück zur Haupthalle, die Abflug- und Ankunftsbereich in einem war. Während sich auf der einen Seite die Check-in-Schalter befanden, drehte auf der anderen Seite ein Gepäckband seine Runden.

Am Kopfende der Halle befanden sich schließlich die großen Anzeigetafeln, auf denen alle zivilen Flugbewegungen zu finden waren. Darunter war der Zugang zum Sicherheitsbereich und darüber befand sich das Flughafenrestaurant.

Einen tieferen Einblick in die Geschichte dieses faszinierenden Flughafens aber gibt eine Führung, die Besucher dorthin führt, wo die Passagiere sonst nie hingekommen sind. Los geht es natürlich noch einmal mit der Luftbrücke, dem wohl wichtigsten Ereignis, das der Flughafen je gesehen hat.

Dann aber geht es immer weiter in die Tiefen des riesigen Flughafengebäudes. Während der Flughafen bereits ab 1923 in Betrieb war, wurde das heute bekannte Terminalgebäude erst in den frühen 1930er Jahren geplant. Der Architekt Ernst Sagebiel bekam den Auftrag, einen Terminal für einen modernen Verkehrsflughafen zu entwerfen. Von 1936 bis 1941 fanden die Bauarbeiten statt, dann konnten sie durch den Krieg nicht fortgesetzt werden. Noch heute sind Teile des Flughafens unvollendet, andere wurden im Krieg stark beschädigt. So auch die Haupthalle, die im Eingangsbereich eigentlich fast doppelt so hoch war und mit einer reich verzierten Decke abschloss. Nach dem Krieg wurde jedoch aus Kostengründen eine Zwischendecke eingezogen und der obere Teil blieb unvollendet. Noch heute kann er so mit allen Beschädigungen besichtigt werden.

Am Kopfende der oberen Haupthalle wurde eine Luftaufnahme des Flughafens aufgehängt, die seine Dimensionen sehr schön zeigt. Rund vier Millionen Quadratmeter ist das Areal groß, von denen das Vorfeld fast 500.000 Quadratmeter einnimmt. Zur Wartung standen sieben Hangars zur Verfügung und es gab zwei Start- und Landebahnen. Die Bahn 09R/27L war 1840 Meter lang und 42,5 Meter breit, die Bahn 09L/27R war genauso breit, kam aber auf eine Länge von 2094 Meter. Dazu das riesige Terminalgebäude, das über 1200 Meter lang ist.

Neben dem Hauptgebäude, gibt es mehrere Nebentrakte, die alle miteinander verbunden sind und hauptsächlich Verwaltungen beherbergen sollten. Dadurch entstanden verschiedene Innenhöfe, die auch zum Verladen von Waren genutzt werden konnten.

Der Flughafen Tempelhof verfügte aber auch über eine umfassende unterirdische Welt, auch wenn die Länge aller Tunnel oft überschätzt wurde. Immerhin drei Stockwerke ging es allerdings in die Tiefe. Auch dieser Ausbau wurde 1942 eingestellt. Später war hier die Kommandozentrale der US Air Force zu finden.

Der berühmte Architekt Sir Norman Foster nannte Tempelhof im Jahr 2004 “Die Mutter aller Flughäfen” und 2011 wurde das Gebäude als Historisches Wahrzeichen der Ingenieursbaukunst ausgewiesen. Wie clever der Bau geplant war, zeigt sich auch im unterirdischen Tunnelsystem, das über Straßen und sogar einen Bahnanschluss zur Versorgung des Flughafens und Anlieferung von Gütern verfügte.

Überlebenswichtig war der Flughafen auch für viele Berliner in den letzten Kriegsjahren, denn die unterirdischen Räume dienten als Luftschutzbunker.

Aus dieser Zeit sind noch heute Zeichnungen von Wilhelm Busch Figuren erhalten. Sie wurden auch während der Nutzung der Räume durch die US Air Force nicht entfernt und sorgfältig erhalten.

Auch heute noch werden übrigens regelmäßig Führungen durch das Gebäude angeboten, auch wenn viele Teile inzwischen einer anderen Nutzung zugeführt wurden.

Mein Rundgang im Jahr 2008 endete allerdings noch im Ankunftsbereich des Flughafen, der so heute nicht mehr existiert.

Was aber noch immer möglich ist, ist der Blick in die gewaltigen Innenhöfe, die die wahren Dimensionen des Gebäudes erst so richtig klar werden lassen.

Für mich endet der Besuch am Flughafen damals auf eine besondere Weise, denn nach der Führung bekamen wir noch ein kleines Buffet in einem der ehemaligen Räume der Air Force geboten.

Und ganz zum Abschluss meines letzten Besuchs am Flughafen Tempelhof gab es noch ein besonderes Highlight, doch davon erzähle ich in einem separaten Artikel. Mein Rundgang findet hier sein Ende und es mischt sich auch heute noch ein wenig Wehmut in meine Erinnerungen, denn auch wenn der einst so moderne Flughafen inzwischen überholt war, so war er doch ein Stück Berliner Geschichte, das am 30. Oktober 2008 für immer endete.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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