Fliegen in Zeiten von Corona – ein Selbstversuch

Die Coro­na Kri­se hat nicht nur mei­ne Rei­se­plä­ne zu einem plötz­li­chen Stopp gebracht. Auch wenn ich hier auf Betty’s Vaca­ti­on wei­ter über mei­ne Rei­sen gebloggt habe, so fan­den die­se doch vor dem Beginn der Pan­de­mie statt. Seit Mit­te März war auch ich fast aus­schließ­lich zu Hau­se und habe nur ein paar Aus­flü­ge in die Regi­on unter­nom­men. Außer­dem muss­te ich eini­ge Rei­sen absa­gen und Flü­ge stor­nie­ren. Doch mit der lang­sa­men Öff­nung des Tou­ris­mus in Deutsch­land und Euro­pa kommt auch mei­ne Rei­se­lust lang­sam zurück. Und so habe ich zumin­dest einen klei­nen Aus­flug nach Hes­sen gewagt. 

Eigent­lich, ja eigent­lich plan­te die Ber­li­ner Flug­ha­fen­ge­sell­schaft den Flug­ha­fen Berlin-​Tegel zum 15. Juni 2020 still­zu­le­gen. Ich hät­te es ja bes­ser wis­sen müs­sen, den Tegel soll­te schon so oft schlie­ßen und blieb doch offen. In der Coro­na­kri­se sah es aber wirk­lich danach aus, dass der Tag nun gekom­men ist. Und so reif­te in mir der Wunsch, noch ein letz­tes Mal von Tegel zu flie­gen. Ich buch­te also einen Flug nach Frank­furt. Etwas ande­res kam in der der­zei­ti­gen Situa­ti­on kaum infra­ge. Doch inzwi­schen hat man es sich in Ber­lin wie­der ein­mal ande­res über­legt und der Flug­ha­fen soll nun doch bis Anfang Novem­ber offen blei­ben. Egal dach­te ich, nun ist der Flug schon gebucht, da flie­ge ich auch, zumal die Umbu­chun­gen und Erstat­tun­gen bei Luft­han­sa momen­tan ja sowie­so so eine Sache sind.

So beginnt also auch die­ser Flug wie so vie­le mit der Fahrt zum Flug­ha­fen Berlin-​Tegel. Doch damit hat es sich dann auch schon mit den Gemein­sam­kei­ten vor­an­ge­gan­ge­ner Flü­ge, denn was mich hier erwar­tet, ist doch ein biss­chen anders als gewohnt. Das liegt aber zuerst ein­mal weni­ger an Hygie­ne­vor­schrif­ten als viel mehr dar­an, dass man in Berlin-​Tegel den Betrieb wegen der Coro­na­kri­se ziem­lich her­un­ter­ge­fah­ren hat.

Im Haupt­ter­mi­nal herrscht gäh­nen­de Lee­re. Nicht ein ein­zi­ger Pas­sa­gier ist hier zu sehen. Auch die Luft­han­sa­schal­ter sind völ­lig verwaist.

An den Gates ist eben­falls nie­mand zu sehen. Es ist fast gespen­stig still. Nur ein paar Poli­zi­sten sind auf Patrouil­le im sonst so geschäf­ti­gen Ter­mi­nal A.

Einen ersten Anhalts­punkt gibt der Blick auf die Abflü­ge und Ankünf­te. Die Flü­ge von zwei Tagen pas­sen auf 50 Pro­zent der Moni­tor­flä­che. So etwas habe ich noch nicht gesehen.

Und da der Flug­ver­kehr bis auf die­se weni­gen Ver­bin­dun­gen kom­plett zum Erlie­gen gekom­men ist, wur­de der gesam­te Flug­ver­kehr kur­zer Hand in den Ter­mi­nal C ver­legt. Der ist zwar der unkom­for­ta­bel­ste für die Pas­sa­gie­re, aber für die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft erge­ben sich so gro­ße Einspareffekte.

So ver­las­se ich den Haupt­ter­mi­nal wie­der und mache mich auf den Weg zum Ter­mi­nal C, der erst 2007 eröff­net wur­de und wo bis 2017 haupt­säch­lich Air Ber­lin Flü­ge abge­fer­tigt wurden.

Selbst drei­zehn Jah­re nach der Eröff­nung hat das Gan­ze immer noch den Cha­rak­ter eines Pro­vi­so­ri­ums. War der Bau doch auch nur als Über­gang bis zur BER-​Eröffnung 2012 gedacht. Der schlich­te Gang, der zum Ter­mi­nal führt, wür­de mit bun­ten Bil­dern und Fak­ten über Ber­lin geschmückt, um ihm ein biss­chen von sei­ner Tri­stesse zu nehmen.

Der Zugang zum Ter­mi­nal C liegt dann eine Eta­ge tie­fer, wohin eine höl­zer­ne Trep­pe führt, die an Ein­fach­heit kaum noch zu über­bie­ten ist, sowie drei gro­ße Fahr­stüh­le. Fliegt man hier ab, kann man den Wunsch nach einem neu­en Flug­ha­fen wirk­lich ver­ste­hen. Ter­mi­nal C ist und bleibt ein­fach ein Provisorium.

Am Ter­mi­nal­ein­gang erle­be ich dann eine wei­te­re Ver­än­de­rung zu den Zei­ten vor der Kri­se. Ins Gebäu­de kommt man erstens nur mit Mund­schutz und zwei­tens nur als Pas­sa­gier. Das wird bereits an der Tür kon­trol­liert, wo ich mei­ne Bord­kar­te vor­zei­gen muss.

Der Haupt­grund für den Flug­be­trieb in Ter­mi­nal C liegt wohl dar­in, dass es hier eine gemein­sa­me Sicher­heits­kon­trol­le für alle Gates gibt und so weni­ger Per­so­nal benö­tigt wird, als wenn man jedes Gates mit einem Team aus­stat­ten müsste.

Die Kon­trol­le selbst geht dann recht zügig. Auf­fäl­lig ist aber, dass plötz­lich über­all die soge­nann­ten Nackt­scan­ner ste­hen. Das ist wohl der zwei­te Grund, war­um man hier abfer­tigt. Das Per­so­nal soll so wenig Kon­takt wie mög­lich zu den Pas­sa­gie­ren haben und bei den Metall­de­tek­to­ren kam es doch des Öfte­ren vor, dass abge­ta­stet wer­den musste.

Was sich jetzt aller­dings rächt, dass man in Euro­pa inzwi­schen lie­bend ger­ne Ter­mi­nals baut, in denen gleich hin­ter der Sicher­heits­kon­trol­le der Duty Free ist. Da die­ser aber geschlos­sen ist, müs­sen alle Pas­sa­gie­re durch einen schma­len Gang dahin­ter zu den Gates gehen.

Die Gates befin­den sich in Ter­mi­nal C alle in einer gro­ßen Hal­le. Hier gibt es zwar eini­ge Mar­kie­run­gen und es wird um Abstand gebe­ten, doch so rich­tig kann das hier ein­fach nicht klap­pen. Es scheint auch recht voll zu sein, obwohl nur weni­ge Flü­ge star­ten. Im Ter­mi­nal gibt es einen ein­zi­gen Stand, der etwas zu Essen und Trin­ken ver­kauft. Anson­sten ist hier bis zum Abflug wirk­lich Lan­ge­wei­le angesagt.

Das Boar­ding ist dann auch völ­lig unge­ord­net. Zwar sind alle mas­kiert, doch von Abstand kei­ne Spur. Es küm­mert sich auch nie­mand dar­um und die Leu­te ste­hen ganz wie immer schon im Weg, obwohl ihre Boar­ding­grup­pe noch gar nicht auf­ge­ru­fen wurde.

Die weni­gen Meter geht es dann zu Fuß über das Vor­feld zum Flug­zeug. Inzwi­schen setzt die Luft­han­sa wie­der den A320 zwi­schen Frank­furt und Ber­lin ein. In den Hoch­zei­ten der Kri­se wur­de nur mit einem Canad­air Jet geflo­gen. Aller­dings ist es schon unge­wöhn­lich, so in eine Luft­han­sa Maschi­ne hier in Tegel ein­zu­stei­gen und erin­nert mich ein wenig an die Zeit, in der eine Boe­ing 747 die Strecke bedien­te. Von sol­cher Nach­fra­ge kann die Luft­han­sa momen­tan zwar nur träu­men, aber leer ist es auch nicht gerade.

An Bord ist es dann ein fast gewohn­tes Bild. Alle ver­stau­en ihr Hand­ge­päck und neh­men Platz. Von Abstand auch hier kei­ne Spur. Die Maschi­ne ist so gut gebucht, dass fast kein Platz frei bleibt.

Klei­ne Ver­än­de­run­gen bemerk­te ich aber doch an Bord. So gibt eine kei­ne Bord­ma­ga­zi­ne. Ledig­lich die Sicher­heits­kar­te befin­det sich in der Sitztasche.

Beim Ein­stei­gen wur­de dann statt dem übli­chen Snack ein Hygie­ne­tuch aus­ge­hän­digt. Ich hät­te ja lie­ber den Snack genom­men, aber wirk­li­chen Ser­vice sucht man an Bord momen­tan ver­ge­bens, wie ich gleich noch ler­nen werde.

Erst­ein­mal geht es aber ganz nor­mal wei­ter und die Sicher­heits­vor­füh­rung beginnt, wäh­rend wir zur Start­bahn rol­len. Ergänzt wird sie aller­dings durch den Hin­weis zur Mas­ken­pflicht an Bord sowie dem Hin­weis, dass man die­se zum Essen und Trin­ken oder dem Auf­set­zen der Sau­er­stoff­mas­ken im Not­fall doch ent­fer­nen solle.

Der Weg zur Start­bahn bie­tet dann ein recht trau­ri­ges Bild, denn unser A320 ist der­zeit die ein­zi­ge Maschi­ne auf dem gan­zen Flug­ha­fen. Alles ande­ren Gates sind leer. So etwas habe ich noch nie gesehen.

So bekom­men wir dann auch ganz zügig eine Start­frei­ga­be und der Flug nach Frank­furt beginnt.

Bereits nach weni­gen Minu­ten in der Luft stel­le ich fest, dass ich hier an Bord weni­ger Pro­ble­me mit dem Tra­gen der Mas­ke habe als über­all sonst. Durch die fri­sche und gekühl­te Luft erscheint das Atmen lang­sam nicht so müh­sam und es wird auch nicht so warm hin­ter der Mas­ke. Erstaun­lich, das hät­te ich nicht gedacht. Trotz­dem wür­de ich dar­auf lie­ber frü­her als spä­ter wie­der verzichten.

Nach rund zehn Minu­ten in der Luft beginnt der Ser­vice, wenn man das in der Eco­no­my Class über­haupt so nen­nen kann. Nor­ma­ler­wei­se gab es zumin­dest immer einen Geträn­ke­ser­vice. Jetzt kom­men die Flug­be­glei­ter mit einem Wagen durch die Kabi­ne und ver­tei­len Was­ser­fla­schen. War­um es aus­ge­rech­net nur Was­ser gibt, erschließt sich mir aller­dings nicht. Das erscheint eher wie eine Spar­maß­nah­me, denn dass es der Sicher­heit geschul­det ist.

Nach rund 45 Minu­ten begin­nen wir schon wie­der den Lan­de­an­flug und da der in Frank­furt heu­te auch gen Osten statt­fin­det, flie­gen wir noch eine schö­ne Schlei­fe über den Tau­nus und Wies­ba­den, um schließ­lich über dem Rhein zu drehen.

Ganz zuletzt ist dann noch Mainz zu sehen, das immer beson­ders deut­lich an der vor­ge­la­ger­ten Insel im Fluss aus­zu­ma­chen ist.

Schließ­lich set­zen wir nach 53 Minu­ten Flug­zeit auf der Lan­de­bahn in Frank­furt auf. Und das ist dann auch noch ein­mal etwas unge­wöhn­lich, denn die mei­sten Kurz­strecken­flug­zeu­ge lan­den sonst oft auf der kür­ze­ren und wei­ter ent­fer­nen drit­ten Lan­de­bahn, um die Haupt­bah­nen für die gro­ßen Maschi­nen frei­zu­hal­ten. Heu­te aber lan­den auch wir hier, denn auf der drit­ten Lan­de­bahn parkt die Luft­han­sa der­zeit nicht benö­tig­te Flugzeuge.

Die Fahrt zum Ter­mi­nal ist dann erstaun­lich nor­mal, auch wenn es kaum Flug­be­we­gun­gen gibt. Am Ter­mi­nal aller­dings sind eini­ge Groß­raum­flug­zeu­ge ange­dockt, dar­un­ter ein A380 und eini­ge Boe­ing 747. Was die­se hier tun, kann ich nicht sagen, zumal sie bei mei­nem Rück­flug alle ver­schwun­den sind.

Hier in Frank­furt gibt es dann auch ein Gate am Ter­mi­nal. Der Aus­stieg ist weder gestaf­felt noch irgend­wie unge­wöhn­lich. Nach­dem die Tür offen ist, ste­hen alle auf und ver­las­sen die Maschi­ne, genau wie immer, nur eben mit Maske.

Die Mas­ke muss seit kur­zem auch am Frank­fur­ter Flug­ha­fen getra­gen wer­den, sodass es nach dem Aus­stei­gen noch kei­ne Erlö­sung gibt. Hier in Frank­furt zeigt sich auch ein ganz ande­res Bild. Viel mehr ist von den Maß­nah­men zu sehen. So gibt es über Mar­kie­run­gen auf dem Boden und abge­sperr­te Sit­ze. Und wäh­rend es im Ter­mi­nal um die Mit­tags­zeit noch recht voll war, herrscht bei den Gepäck­bän­dern wie­der gäh­nen­de Leere.

Fazit: Mein erster Flug nach Aus­bruch der Coro­na­kri­se ver­lief eigent­lich erstaun­lich nor­mal. Am mei­sten auf­fäl­lig waren die weni­gen Flug­zeu­ge, die auf den Flug­hä­fen unter­wegs waren sowie natür­lich die Mas­ken­pflicht an Bord und in den Ter­mi­nals. Abstand gab es aller­dings sel­ten. Trotz­dem habe ich mich nicht unwohl gefühlt. Ich bin auch zuvor um die gan­ze Welt geflo­gen und da hat man nie gewusst, wer neben einem sitzt. Und das ist ja nicht nur um Flug­zeug so, son­dern auch in der Bahn, im Bus oder über­all sonst, wo man auf ande­re Men­schen trifft. Ich hof­fe doch, dass sich die Lage bald wie­der nor­ma­li­siert und wir wie­der frei und unbe­schwert rei­sen kön­nen. Ein biss­chen Vor­sicht ist immer gebo­ten, nicht nur jetzt, aber stän­di­ge Angst ist auch ein schlech­ter Beglei­ter und ich ver­mis­se auch die Inter­ak­ti­on mit ande­ren Men­schen, die man unter­wegs trifft.

Und nun noch zur Haupt­fra­ge: Wür­de ich wie­der flie­gen? Auf jeden Fall. Ich habe mich voll­kom­men sicher gefühlt, wie sonst auch und wür­de jeder­zeit eher in ein Flug­zeug denn einen Zug oder gar Rei­se­bus ein­stei­gen. Was mich von län­ge­ren Flü­gen am mei­sten abhält, ist und bleibt die Mas­ken­pflicht, denn auch wenn es nicht so anstren­gend war wie gedacht, so ist es doch bei wei­tem nicht ange­nehm Stun­den­lang eine Mas­ke zu tragen.

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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