The Hovercraft Museum, Lee-​on-​the-​Solent, England

Vom Hover­craft habe ich zum ersten Mal in der Schu­le gehört. Irgend­wie war die­ser Begriff immer mit einer Rei­se nach Eng­land ver­bun­den, als ich Kind war. In den Schul­bü­chern stand auch immer etwas über die Luft­kis­sen­boo­te. Doch irgend­wann ver­schwan­den sie, ohne dass ich jemals auf einem gewe­sen war, und damit auch mei­ne Erinnerung.

Auf einer mei­ner letz­ten Rei­sen stieß ich dann, ganz durch Zufall, auf das Hover­craft Muse­um in der Nähe von Sout­hamp­ton. Da das Muse­um aber nur von Frei­wil­li­gen betrie­ben wird, hat es nur an weni­gen Tagen geöff­net, so bedurf­te es etwas Pla­nung, doch heu­te soll­te alles pas­sen und so mache ich mich auf den Weg.

Das Muse­um befin­det sich in Lee-​on-​the-​Solent in Hamp­shire und hat die größ­te Kol­lek­ti­on an Hover­craft Fahr­zeu­ge welt­weit zusam­men­ge­tra­gen. Über 60 Fahr­zeu­ge sind im Muse­um zu sehen. Dazu gehört auch die Prin­cess Anne, das größ­te Hover­craft, das je für den Per­so­nen­ver­kehr genutzt wur­de und als ein­zi­ges erhal­ten bliebt. Außer­dem gibt es eine umfang­rei­che Samm­lung an Doku­men­ten, Fotos, Fil­me und Zeich­nung, eini­ge davon sogar von den Her­stel­lern selbst.

Das erste Hover­craft, das ich beim Betre­ten des Muse­ums sehe, ist die Prin­cess Mar­ga­ret. Und gleich die­ses Bild ist heu­te schon von histo­ri­schem Wert, denn bereits kurz nach mei­nem Besuch wur­de das Hover­craft lei­der ver­schrot­tet. Das Muse­um hat­te nicht die Mit­tel zwei Fahr­zeu­ge zu erhal­ten und hat sich des­halb ent­schie­den, die Prin­cess Anne zu behal­ten, die in einem bes­se­ren Zustand war.


Ins­ge­samt gab es sechs die­ser Hover­craft, die von 1968 bis zu ihrer Außer­dienst­stel­lung im Jahr 2000, zwi­schen Frank­reich und Eng­land unter­wegs waren. SR.4N hieß die Bau­rei­he, deren erster Pro­to­typ die Prin­cess Mar­ga­ret war. Sie war das erste der sechs Hover­craft, das den Lini­en­dienst auf­nahm, was für mich die Ver­schrot­tung noch trau­ri­ger macht.

Wer die Prin­cess Mar­gret noch ein­mal in Action sehen will, der muss sich den James-​Bond-​Film „Dia­monds are fore­ver” anse­hen, in dem das Hover­craft zu sehen ist.

Die Prin­cess Anne hin­ge­gen ist noch immer im Muse­um zu bestau­nen, als letz­tes Exem­plar ihrer Art. Das Hover­craft der Mount­bat­ten Class war ursprüng­lich fast vier­zig Meter lang und wur­de spä­ter auf rund 56 Meter ver­län­gert. Gan­ze 320 Ton­nen schwer ist das Gefährt und konn­te zuletzt 60 Autos sowie 240 Pas­sa­gie­re befördern.

Ange­trie­ben wur­den die Hover­crafts von vier Rolls-​Royce Gas­tur­bi­nen, durch die sie eine Geschwin­dig­keit von bis zu 110 Kilo­me­ter pro Stun­de errei­chen konn­ten. In die Tanks pass­ten gan­ze 12.700 Liter Treib­stoff, die bei vol­ler Geschwin­dig­keit in vier Stun­den auf­ge­braucht waren.

Die rie­si­gen Pro­pel­ler, die durch die Tur­bi­nen ange­trie­ben wur­de, sind fast sechs Meter hoch. Sei­ner­zeit waren sie die größ­ten Pro­pel­ler der Welt.

Die Prin­cess Anne kann ich nicht nur von außen besich­ti­gen, sie steht auch von innen offen. Irgend­wie hat­te ich mir ja in der Schu­le immer mal vor­ge­stellt, mit solch einem Hover­craft zu fah­ren. Da das, zumin­dest über den Ärmel­ka­nal, nun nicht mehr mög­lich ist, will ich wenig­stens mal anschau­en, wie der Rei­se­kom­fort so aus­ge­se­hen hat.

Über die Autoram­pe gehe ich an Bord. Hier wur­den die bis zu 60 Fahr­zeu­ge ver­la­den, die auf einer Tour mit­ge­nom­men wer­den konnten.

Das Deck gleicht von innen dem einer ganz nor­ma­len Fäh­re. Wüss­te ich nicht, dass ich in einem Hover­craft bin, hier wür­de ich wohl nicht dar­auf kom­men. Auf dem Deck sind heu­te klei­ne­re Hover­craft aus der Samm­lung des Muse­ums, sowie Foto­gra­fien und Pro­spek­te aus der Zeit der Hover­craft Fahr­ten über den Kanal ausgestellt.

Durch Türen gelang­te man von Fahr­zeug­deck in die Pas­sa­gier­räu­me, die sich bei den Hover­craft rechts und links des Fahr­zeug­decks befin­den. Auch ich neh­me heu­te die­sen Weg.

Der Innen­raum sieht dann eher wie einer der Schnell­fäh­ren aus, mit denen ich unter ande­rem zwi­schen Hong­kong und Macau unter­wegs war. Sehr luxu­ri­ös oder bequem ist es nicht gera­de, doch so eine Über­fahrt dau­er­te im Schnitt auch nicht län­ger als eine gute hal­be Stun­de. Den Rekord für die schnell­ste Über­fahrt hält übri­gens jene Prin­cess Anne, auf der ich mich hier gera­de befin­de. In 22 Minu­ten über­quer­te sie am 15. Sep­tem­ber 1995 den Kanal zwi­schen Eng­land und Frankreich.

An eini­gen Sit­zen gibt es Tische und die Sitz­bän­ke sind sich gegen­über ange­ord­net. Die Bestuh­lung erin­nert hier eher an einen Zug.

Eine klei­ne Bord­kü­che stell­te trotz der kur­zen Über­fahrt die Ver­sor­gung der Pas­sa­gie­re sicher.

Sogar ein Onboard Menü gab es, aus dem Spei­sen, Geträn­ke und Duty Free Arti­kel bestellt wer­den konnten.

Die klei­nen Toi­let­ten erin­nern dann wie­der einer an Flug­zeug­toi­let­ten und sind auch genau­so eng.

Beim Sitz­test stel­le ich fest, dass die Bestuh­lung doch recht eng gewe­sen ist. Durch feh­len­de Arm­leh­nen in der Mit­te war Kör­per­kon­takt mit den Mit­rei­sen­den bei vol­ler Beset­zung wohl eher die Regel.

Nach der Ein­füh­rung des Lini­en­dien­stes gab es zuerst zwei Anbie­ter, Seaspeed und Hoverl­loyd. Im Jahr 1981 wur­de die zwei Anbie­ter jedoch zu einem ver­schmol­zen, der dann den Namen Hover­speed trug und die Boo­te bis zum Ende betrieb.

Eine klei­ne Aus­stel­lung wid­met sich auch dem Per­so­nal auf den Hover­crafts. Eine drei­köp­fi­ge Besat­zung war für die Steue­rung zustän­dig, die eher einem Flug­zeug­cock­pit als einer Schiffs­brücke glich. Außer­dem arbei­te­te Ser­vice­per­so­nal an Bord, das sich um die Pas­sa­gie­re kümmerte.

Nach der Besich­ti­gung der Prin­cess Anne will ich mir nun noch eini­ge der ande­ren Hover­crafts anschau­en, die zur Samm­lung des Muse­ums gehören.

Die mei­sten klei­ne­ren Hover­craft sind in zwei gro­ßen Hal­len unter­ge­bracht, um sie bes­ser zu schüt­zen. Hier wer­den sie, eines nach dem ande­ren, von den Frei­wil­li­gen des Muse­ums wie­der restauriert.

In einer Ecke der hin­te­ren Hal­le gibt es hin­ge­gen Model­le zu sehen, denn die Hover­craft waren ein belieb­tes Sou­ve­nir für Reisende.

Eines der größ­ten Aus­stel­lungs­stücke ist das War­den Class Hover­craft, das sogar einen Preis für die aus­ge­zeich­ne­te Restau­ra­ti­on gewon­nen hat. Die Boo­te wur­den sowohl zivil als auch mili­tä­risch genutzt. Das Hover­craft im Muse­um ist für den Per­so­nen­trans­port ausgestattet.

Der James-​Bond-​Film, in dem die Prin­cess Mar­ga­ret zu sehen war, war jedoch nicht der ein­zi­ge, in dem Hover­crafts genutzt wur­den. Gleich drei die­ser Fahr­zeu­ge waren in „Die ano­ther Day” mit Pier­ce Bros­nan im Ein­satz, zwei Osprey 5s und ein Slings­by SAH 2200. Sie sind heu­te im Muse­um zu sehen.

Das SR.N5 Hover­craft wur­de zuerst 1964 gebaut und es gab ins­ge­samt vier­zehn Fahr­zeu­ge. Sie wur­den jedoch eher im mili­tä­ri­schen Bereich ein­ge­setzt. Nur zwei SR.N5 waren je in zivi­ler Nut­zung und wur­den einst in der San Fran­cis­co Bay zwi­schen San Fran­cis­co und Oak­land eingesetzt.

Das Grif­fon Hover­craft kommt aus einer bri­ti­schen Fir­ma glei­chen Namens, die noch heu­te Hover­craft für die zivi­le und mili­tä­ri­sche Nut­zung her­stellt. Grif­fon war der welt­weit erste Her­stel­ler, der Hover­crafts mit Ben­zin­mo­tor anstel­le von Gas­tur­bi­nen aus­lie­fer­te, die deut­lich effi­zi­en­ter betrie­ben wer­den konnten.

Eines der weni­gen Hover­crafts, das neben der Prin­cess Anne außer­halb der Hal­len steht, ist dann noch das XW255. Kon­stru­iert wur­de es vor allem für die mili­tä­ri­sche Nut­zung und neben Groß­bri­tan­ni­en auch von eini­gen ande­ren Län­dern betrieben.

Der Auf­bau gleicht hier her dem grö­ße­ren Bru­der, wie es die Prin­cess Anne war. In der Mit­te gibt es einen Fracht­raum und an den Sei­ten Platz für die Passagiere.

Es war ein inter­es­san­ter Besuch im Hover­craft Muse­um, der mir sehr gut gefal­len hat. Scha­de, dass die Hover­craft nur solch eine klei­ne Lob­by haben und der Ver­ein prak­tisch jeden Tag um den Erhalt kämp­fen muss. Des­halb habe ich die vie­len flei­ßi­gen Hän­de hier auch ger­ne mit mei­nem Besuch unterstützt.

The Hover­craft Museum
Daeda­lus Site Sea­front Gate, Mari­ne Para­de W, Lee-​on-​the-​Solent PO13 9NS
sams­tags 10–16 Uhr
Ein­tritt: 8 Pfund (2023)

© 2019 – 2023, Bet­ty. All rights reserved. 

Weiter lesen:

Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten durch diese Website einverstanden.

neun − zwei =