Nike Missile Base, Everglades National Park, Florida

Auf dem Höhe­punkt des Kal­ten Krie­ges wur­den hier, mit­ten in den Ever­glades, Antiaircraft-​Raketen sta­tio­niert, um einen Angriff mit Atom­bom­ben der Sowjets von Kuba aus abzu­weh­ren. Nur so viel, im Lau­fe der Tour bekommt man mit, wie unsin­nig und unmög­lich die­ses Unter­fan­gen eigent­lich war. Eine Ret­tung hät­te es im Fall eines Angriffs für den Süden nicht wirk­lich gegeben.

Trotz­dem wur­de sie errich­tet, die Nike Mis­sile Base. Ein klei­nes Schild am Rand der Stra­ße zum Anhin­ga Trail im Ever­glades Natio­nal Park weist auf die Zufahrt hin. Über ein­sa­me Stra­ße fährt man mit­ten durch die Pam­pa in den Everglades.

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Der Treff­punkt für die Tour zur Mis­sile Base soll irgend­wo hier sein, an einem pin­ken Gebäu­de, das heu­te von Wis­sen­schaft­lern genutzt wird. Als ich ankom­me, ste­hen bereits zwei RVs sowie ein Auto am Stra­ßen­rand. Ich stel­le mich dazu und erfah­re bald, dass auch die­se Leu­te auf die Tour war­ten. Wenig spä­ter gesel­len sich noch zwei Fahr­zeu­ge dazu und dann erscheint John, ein Vol­un­teer, der hier Tou­ren durch­führt. Er gibt uns eine kur­ze Ein­füh­rung zum Gebiet.

Die Tour star­tet hier vor eben jenem Gebäu­de, das einst die Kom­man­do­zen­tra­le für die 100 sta­tio­nier­ten Sol­da­ten war. War­um es pink ist? Das weiß kei­ner mehr so genau, aber die zwei gän­gig­sten Theo­rien sind einer­seits, dass die Frau des Kom­man­dan­ten die Far­be so moch­te oder auch, dass die­se Far­be damals, schnell, in gro­ßen Men­gen und bil­lig zu bekom­men war.

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Dann schwin­gen wir uns wie­der in unse­re Fahr­zeu­ge und fol­gen John im Kon­voi, denn bis zur eigent­li­chen Base sind es noch ein paar Mei­len Weg. Die Stra­ße macht kurz davor plötz­lich eine 90 Grad Bie­gung, die eigent­lich gar kei­nen Sinn ergibt. John erklärt uns, dass das Metho­de war. Jeder muss vor so einer Kur­ve brem­sen und so hät­ten poten­zi­el­le Angrei­fer nicht ein­fach unge­bremst auf das Tor zusteu­ern können.

Dann errei­chen wir die Base. Gleich hin­ter dem Tor stel­len wir die Autos ab. John warnt uns erst ein­mal auf­zu­pas­sen, wo wir hin­tre­ten. Im Gras gäbe es sehr vie­le Schlan­gen, auch gif­ti­ge und man sol­le mög­lichst auf den asphal­tier­ten Wegen bleiben.

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Zuerst lau­fen wir nur bis zu die­sem Schild, wo John sehr viel zur Base erklärt. Aller­dings geht er schon sehr in Detail und ich wür­de ger­ne erst ein­mal wei­ter. Ja, ich gebe es zu, ich bin unge­dul­dig und wür­de lie­ber beim Lau­fen lau­schen, als hier nur zu ste­hen. Zumal es auch ziem­lich heiß und drückend ist heu­te, eigent­lich unty­pisch für die­se Jahreszeit.

Die Base, deren offi­zi­el­ler Name Nike Mis­sile Site HM-​69 war, wur­de durch einen dop­pel­ten Zaun und mit aller­hand Tech­nik geschützt. Wich­tig­ster Schutz aber waren Sol­da­ten und ihre spe­zi­ell trai­nier­ten Hun­de. Die Aus­füh­run­gen dazu waren sehr inter­es­sant. So gehorcht jeder Hund nur sei­nem Hand­ler. Stirbt die­ser, muss mei­stens auch der Hund ein­ge­schlä­fert wer­den, da er unkon­trol­lier­bar wird. Geht der Hand­ler in Ren­te, geht auch der Hund in Ren­te. Meist mit sei­nem Herr­chen. Die­se Hun­de sind übri­gens Sol­da­ten und ein Angriff auf sie wird auch als sol­cher gewertet.

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Wir lau­fen zu zwei Gebäu­den. Das Klei­ne­re ist die Unter­kunft der Hun­de gewe­sen oder zumin­dest das, was davon übrig ist, denn bevor die Anla­ge unter Denk­mal­schutz gestellt wur­de, wur­de lei­der schon eini­ges abge­ris­sen. Das zwei­te Gebäu­de war eine Art Lager, an dem noch heu­te ein Graf­fi­ti der Sol­da­ten zu sehen ist.

Der Job hier drau­ßen war übri­gens kein Zucker­schlecken. Es war heiß, es war feucht und es krab­bel­ten vie­le, auch gif­ti­ge, Tie­re her­um. Ein schö­nes Dienst­um­feld sieht anders aus. Beson­ders wenn man bedenkt, dass vie­le Sol­da­ten in ein­fa­chen Zel­ten unter­ge­bracht waren und nur ein­mal die Woche zum Duschen nach Flo­ri­da City gefah­ren wur­den. John beschreibt das alles sehr ein­drück­lich. Auch die Stim­mung hier drau­ßen weiß er zu ver­mit­teln. Den jun­gen Män­nern war klar, soll­ten die Sowjets angrei­fen, hät­ten sie hier nicht die gering­ste Chance.

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Wir errei­chen einen der Han­gars, in den die Rake­ten unter­ge­bracht waren. Die waren nötig, denn eine Sta­tio­nie­rung unter der Erde war auf­grund des Was­sers in den Ever­glades nicht mög­lich. Drei davon gibt es auf dem Gelän­de, doch die ande­ren zwei sind nicht restau­riert. Schon von wei­tem kann man die Rake­te sehen. Irgend­wie unheim­lich, wenn man bedenkt, war­um das alles hier ist.

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Wir tre­ten näher und wer­den von wei­te­ren Vol­un­teers begrüßt. Die älte­ren Her­ren haben hier vie­les in lie­be­vol­ler Kleinst­ar­beit restau­riert, um die­ses Stück Geschich­te für die Nach­welt zu erhal­ten. Vie­le von ihnen sind sel­ber Vete­ra­nen und kön­nen sich noch genau an die­se Zeit des Kal­ten Krie­ges erinnern.

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Im Han­gar zu sehen ist ein brei­tes Sam­mel­su­ri­um an Arte­fak­ten von der Base. Eini­ge sind restau­riert, ande­re zei­gen, wie der Zahn der Zeit an ihnen genagt hat. Und wenn man das alles so sieht, ist es fast unglaub­lich, wie es funk­tio­niert hat, mit Com­pu­tern und Gerät­schaf­ten, die nicht mal ein Zehn­tel von dem konn­ten, was heu­te ein Han­dy kann.

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Fotos geben einen bes­se­ren Ein­druck von der Zeit damals. Die Base wur­de auch „Hole in the Donut” genannt, denn sie war kom­plett vom Ever­glades NP umschlos­sen, damals aber nicht im Park. Das Gelän­de einer alten Farm wur­de für den Bau genutzt.

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Geschlos­sen wur­de die Nike Mis­sile Site 1979, als sich die Lage im Kal­ten Krieg ent­spann­te und ein Atom­schlag nicht mehr so wahr­schein­lich schien. Danach ist sie lan­ge Jah­re vor sich hin gerot­tet. Erst 2004 wur­de sie im Natio­nal Regi­ster of Histo­ric Places auf­ge­nom­men und zu einem Teil des Ever­glades Natio­nal Park erklärt.

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Wie­der drau­ßen ist es noch hei­ßer uns schwü­ler gewor­den. John deu­tet auf einen Zaun hin­ter uns und erklärt, dass sich dort ein rie­si­ges Was­ser­becken befin­det, das heu­te fast gänz­lich zuge­wu­chert ist. Und dies sei auch der Ort, wo die mei­sten Ana­kon­das im Park ent­deckt wur­den, auch die läng­ste jemals gefun­de­ne, die meh­re­re Meter lang war.

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Bevor wir zurück zu den Autos gehen, spur­te ich zusam­men mit ein paar ande­ren Besu­chern noch schnell zu einem der ande­ren Han­gars. Neu­gier halt, denn zu sehen gibt es nicht all­zu viel.

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Dann geht es zurück zu den Autos, wo wir uns von John ver­ab­schie­den. Er hat einen tol­len Job gemacht, er und alle Vol­un­teers, die die­sen Teil der Welt­ge­schich­te so ein­drück­lich erhalten.

HM69 Nike Mis­sile Base 
Rese­arch Road, Home­stead, FL 33034
Tour: Dezember-​April Open Hou­se 10–14 Uhr; Tour 14 Uhr
Ein­tritt Park: $30 (2019) 

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Betty

Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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