Schlösserherbst 2022 in Mecklenburg – Zu Besuch auf Gut Hohen Luckow

Gut Hohen Luckow ist eine der wenigen Gutsanlagen in Mecklenburg, die noch immer als solche in Betrieb ist. So gibt es nicht nur ein Herrenhaus und einen großen Park, auch Milch- und Landwirtschaft wird hier betrieben. Ich habe das Gut schon einmal auf meinen Streifzügen zu Schlössern und Herrenhäusern besucht, konnte das Herrenhaus aber bisher noch nicht von innen anschauen. Anlässlich des Schlösserherbstes 2022 war das Gutshaus allerdings für zwei Tage geöffnet. Für mich der Anlass, nochmals nach Hohen Luckow zurückzukehren.

Gut Hohen Luckow – Herrenhaus

Der Rundgang über das Gutsgelände von Hohen Luckow sowie durch das Herrenhaus beginnt vor der großen Freitreppe. Hier treffe ich auf Florian Golchet, den Chefgärtner des Gutes, der uns an diesem Tag herumführt. Rund anderthalb Stunden werden wir zusammen unterwegs sein und als allererstes schreiten wir die imposante Freitreppe hinauf.

Hinter der Haustür verbergen sich ein kleiner Vorraum sowie die große Halle, in der heute auch Veranstaltungen stattfinden. Kulturveranstaltungen und Hochzeiten gibt es viele auf dem Gut und sogar übernachten kann man hier, in den hauseigenen Ferienzimmern.

Aber zurück zum Gutshaus, das 1707 von Christoph von Bassewitz erbaut wurde, wie die Jahreszahl auf den Fliesen im Eingangsbereich verrät. Die zweite Zahl, 1994, verrät das Jahr, in dem die heutigen Eigentümer, die Familie Merckle, das Gut übernommen und grundlegend saniert hat.

Die umfassende Renovierung war nötig, auch wenn das Gut während der DDR-Zeit nicht sich selbst überlassen wurde. Vielmehr stand es schon damals unter Denkmalschutz und wurde recht gut unterhalten. Vieles blieb aber doch noch zu tun für die neuen Besitzer, die hier nicht nur wohnen wollten, sondern das Haus auch für Gäste öffnen.

Gäste wie wir, die wir dieses wunderschöne Kleinod so besichtigen können. Dazu viele Ehepaare, die hier den schönsten Tag ihres Lebens feiern und Besucher der unzähligen kulturellen Veranstaltungen.

Einmal jedoch schrieb Gut Hohen Luckow sogar Weltgeschichte. Das war damals, im Jahr 2007, als im nahen Heiligendamm der G8-Gipfel stattfand. Und an einem Abend fanden sich die Staats- und Regierungschef hier im Gutshaus zum Abendessen zusammen. Ein Eintrag im Gästebuch des Hauses zeugt noch heute von diesem historischen Tag.

Bevor wir jedoch an jenen Ort kommen, wo das große Mahl stattfand, besichtigen wir die berühmte Terrinensammlung im sogenannten Ulmer Salon. Das Geschirr, das hier zu sehen ist, ist natürlich der Star, aber auch der Raum selbst ist wunderschön renoviert. Vor allem die Stuckdecke ist absolut fantastisch und sehenswert.

Ein Blick an die Decke lohnt sich also auf jeden Fall.

Doch nicht nur das, auch der wunderschöne, frei stehende Ofen und der aufwendig verzierte Schrank sind sehr sehenswert.

Aber zurück zur Terrinensammlung, die vor allem Gefäße aus dem 18. Jahrhundert zeigt. Das Besondere an den einzigartigen Stücken, sie sind größtenteils Gebrauchsgegenstände aus Zinn und Fayence, einer Keramikart, die vor allem in Mitteleuropa entstand. Fayence wurde vor allem im Alltag genutzt, denn Porzellan war damals noch teuer und deshalb besonderen Anlässen vorbehalten.

Nach der ausführlichen Besichtigung geht es weiter in den Roten Salon, der das Wohnzimmer für Hausgäste ist. Bis zu sieben Gästezimmer werden vermietet und können sich hier zusammenfinden. Die Möbel stammen, wie auch in der Halle und im Ulmer Salon, von einer Auktion im Jahr 1995, denn von der originalen Einrichtung ist leider kaum noch etwas erhalten. Bemerkenswert ist noch die Sammlung von Porträts, die die Vorfahren der Familie Merckle zeigen.

Zurück in der Halle geht es über eine der zwei symmetrischen Treppen ins Obergeschoss. Durch die mittlere Tür gelangt man hier auf den vorderen Balkon des Herrenhauses, der die Hofeinfahrt überblickt. Für uns bleibt dieser Weg aber heute versperrt.

Dafür geht es nun in den Rittersaal, den wohl prächtigsten Raum des Herrenhauses. Der Saal wird heute für eine Vielzahl von Veranstaltungen genutzt und auch das historische G8-Gipfel-Essen fand einst hier statt.

Zunächst sticht der Kamin mit seinen reichen Verzierungen ins Auge. Die vergoldeten, lebensgroßen Statuen zeigen den “Guten Wilden”.

Auch in diesem Raum ist der fantastische, vollplastische Stuck erhalten geblieben, der verschiedene Themen der Wandgestaltung aufgreift.

Und die filigrane Wandvertäfelung des Saales ist dann auch das absolute Highlight. Die Wände sind mit 84 bronzierten Stuckmedaillons mit emblematischen Darstellungen versehen. In der Barockzeit war es ein beliebtes Gesellschaftsspiel, diese Bilder zu entschlüsseln. Die Darstellungen zeigen Sinnbilder mit den Themen Liebe – Glaube – Hoffnung, die auf ein Augsburger Musterbuch aus dem Jahr 1693, also kurz vor der Bauzeit, zurückgehen.

Darunter sind 62 Wappen aus der Familie von Bassewitz und seiner Frau Magdalena Sophia von Stockhausen zu finden.

Neben dem Saal befindet sich noch der grüne Salon, in dem weitere antike Möbel zu finden sind und dazu historische Aufnahmen aus den Hansestädten der Ostsee.

Schließlich gelangen wir zurück in die Halle und von hier geht es nun zwei Stockwerke tiefer in das Untergeschoss des Herrenhauses.

Hier wurde der Bau einst von vier mächtigen Eichensäulen gestützt. Heute jedoch sind nur noch drei erhalten, denn eine wurde von den russischen Besatzern nach dem Krieg herausgeschnitten und als Feuerholz genutzt. Da von Statikern aber festgestellt wurde, dass das Haus auch mit drei Säulen einen festen Stand hat, wurde die vierte Säule nicht wieder hergestellt.

An der Wand sind hier noch weitere Erinnerungen an den G8-Gipfel zu finden. Die Aufnahmen zeigen die Staats- und Regierungschef mit ihren Ehepartnern.

Gut Hohen Luckow – Landschaftspark

Nach der Tour durch das Herrenhaus geht es hinaus in den Park des Gutshauses. Der wurde einst als Barockgarten angelegt, später aber zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Im Park sind viele interessante Bäume zu finden, einige sind bereits mehrere hundert Jahre alt.

Dazu sind im Park rund zwanzig moderne Skulpturen zu finden, die die Familie Merckle über die Jahre gesammelt hat.

Vom Garten sind dann auch die zwei Türme des Herrenhauses zu sehen, die erst später angebaut wurden, damit die Bediensteten ungesehen durch das Haus gelangen konnten.

Im Garten befindet sich noch ein kleines Gartenhaus, das sich im privaten Bereich des Parks befindet und so nur im Rahmen der Führung zu sehen ist.

Gut Hohen Luckow – Dorfkirche

Unser letzter Stopp auf diesem Rundgang ist die Dorfkirche, die gleichzeitig auch Patronatskirche des Gutes Hohen Luckow ist. Die kleine Backsteinkirche ist bereits über siebenhundert Jahre alt und wurde um 1244 gegründet. Einst hatte sie einen großen Kirchturm, der jedoch durch ein Feuer vernichtet wurde und anschließend durch den heutigen, kleinen Turm auf dem Dach ersetzt wurde.

Als Christoph von Bassewitz nebenan das Herrenhaus erbauen ließ, stiftete seine Familie den Kanzelaltar sowie den ungewöhnlichen Taufengel. Die Fenster hingegen sind neueren Datums und wurden zu verschiedenen Anlässen von der Familie Merckle gestiftet, die mit dem Kauf von Hohen Luckow auch das Patronat übernommen hat.

Der Kanzelaltar wurde bereits 1712 in Franken hergestellt und ist größtenteils aus Holz gefertigt worden, das mit aufwendigen Schnitzereien versehen und mit Gold sowie weiteren Malereien verziert wurde.

Der aufwendig verzierte Giebel zeigt in der Mitte das Auge der Vorhersehung und rundherum verschiedene Engel.

Ebenfalls reich verziert ist der Kanzelkorb, der auch von hinten begehbar ist.

Sehr ungewöhnlich ist der große Taufengel, der vor dem Altar von der Decke hängt. Er kann heruntergezogen werden und so wird das Taufbecken nutzbar, das der Engel in seinen Händen hält.

Die Orgel wurde ursprünglich 1772 eingebaut, aber 1854 umfassend umgebaut und 1997 nochmals restauriert. Auf der Empore sind weitere Verzierungen zu finden, darunter die Wappen derer von Bassewitz und von Bülow, den Stiftern der reichen Kirchenausstattung.

Mit der Besichtigung der Kirche endet mein Rundgang über das Gut Hohen Luckow. Wer nun Lust hat, das Gut selbst einmal zu besuchen, kann das zu besonderen Anlässen, wie dem Schlösserherbst, aber auch regulär tun. Nach telefonischer Anmeldung öffnet Gärtner Florian Golchet immer wieder die Türen zum Herrenhaus und zeigt auch seine Lieblingsplätze auf der riesigen Gutsanlage, die er und seine Kollegen in Ordnung halten.

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Es gibt nichts, was ich mehr liebe als die Welt zu bereisen. Immer mit dabei ist meine Kamera, wenn ich spannende Abenteuer erlebe und neue Reiseziele erkunde. Das Reisen bereitet mir so viel Freude, dass ich nun auch meine Leser an meinen Erlebnissen und Erfahrungen teilhaben lassen möchte.

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